Mein WeltbildWas soll dieser Text?Eine gute Frage. Sicherlich ist ein Grund meine Frustration, wenig Erfolg beim Vermitteln meines Weltbilds in Gesprächen zu haben. Mich hat schon lange die Frage bewegt, wie eine Gesellschaft von mehreren Millionen oder Milliarden Menschen funktionieren kann. Viele meiner Freunde halten mich in meinen Ansichten für ziemlich radikal (was ich natürlich ganz anders sehe). Oft fühlen sich meine Gesprächspartner persönlich angegriffen, wenn ich eine These vertrete, die von ihren abweicht. Die bedauerlich Konsequenz ist, dass viele Themen tabuisiert werden. Die hier behandelten Themen sind bevorzugte Gegenstände von oberflächlichem Smalltalk oder Stammtischdiskussionen. Ich habe mich in solchen Runden immer sehr unwohl gefühlt. Die Oberflächlichkeit und teilweise grotesk fehlende Sachkenntnis bzw. Wille, die tatsächlichen Zusammenhänge zu verstehen, hat mich oft sehr geärgert. Ich meide es daher im zunehmenden Maße, solche Diskussionen überhaupt zu führen. Dies wiederum ist frustrierend, da mich diese Themen interessieren und ich eigentlich gern darüber diskutieren würde. Mit diesem Papier möchte ich einige meiner Ansichten ausführlicher und somit genauer formulieren, als ich es in einem Gespräch könnte. Ein großer Vorteil ist natürlich, dass man Sätze zu Ende führen kann, ohne ständig unterbrochen zu werden. Aber ich möchte auf jeden Fall zur Diskussion anregen. Wenn ein Leser meint, in diesem oder jenem Punkt liege ich falsch, würde ich mich über jede Kritik freuen, insbesondere dann, wenn sie anständig begründet ist. Im Voraus möchte ich mich für die Länge entschuldigen. Allerdings hat mein weites Ausholen gute Gründe. Die interessanten und konkreten Rückschlüsse sind erst gegen Ende zu finden, aber sie basieren auf fundamentalen Überlegungen, die wichtig sind, um die Ergebnisse zu verstehen. Ich möchte den Leser deshalb bitten, diesen Text von Anfang an zu lesen. Trotz der Länge sind meine Ausführungen fern von vollständig. Es gibt unendlich viele Details, die man noch näher beleuchten kann. Ich habe aber versucht, mich auf das Wesentliche zu beschränken. Zuviele Details bergen die Gefahr, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennt. Die Abstraktion ist ein durchaus geeignetes Mittel, um komplizierte Zusammenhänge unserem begrenzten Geist zugänglich zu machen. Die NaturwissenschaftenPhysik habe ich studiert, und die Physik hat mein Denken sicherlich stark geprägt. Ich habe das Glück, mit einer gewissen Begabung für dieses Fach geboren zu sein. Das hängt wahrscheinlich mit meiner Faulheit zusammen: In der Physik muß man nur sehr wenig auswendig lernen; ohne Verstehen geht es nicht. In der Schule habe ich (so ziemliches als einziges) den Physikunterricht genossen. Die logische Konsequenz war dann, dieses Fach auch zu studieren. In der zweiten Hälfte des Studiums wurde mir dann allerdings schon klar, dass ich kein zweiter Albert Einstein sein würde. Meine Begabung endet dort, wo man sich Vorgänge nicht mehr bildlich vorstellen kann. Auch war mein Talent in Sachen Mathematik nicht immer ausreichend. Ich hatte gegen Mitte der achtziger Jahre das Glück, dass sich mit der umsichgreifenden EDV ein treffliches Ausweichgebiet eröffnete. Zurück zur Physik. Bekanntlich beschäftigt sich die Physik mit den Regeln (Naturgesetzen), nach denen die Natur funktioniert. Ich meine, dass die Frage nach dem Funktionieren einer Gesellschaft direkt aus den Naturgesetzen abgeleitet werden kann. Die Physik beobachtet die Natur in der Hoffnung, Regelmäßigkeiten zu entdecken, die man dann als Naturgesetze formulieren kann. Der Wert von Naturgesetzen ist, dass die Natur vorhersehbar wird. Man geht davon aus, dass Gesetzmäßigkeiten, die in der Vergangenheit beobachtet wurden, sich in der Zukunft genauso verhalten werden. Ein Naturgesetz wird nur als ein solches akzeptiert, wenn kein einziges Ereignis gefunden wird, das ihm widerspricht. Diese Vorgehensweise hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Die Grundannahme, dass die Naturgesetze an jedem Ort und zu jeder Zeit gleich sind, scheint zu stimmen. Die Physik kommt ohne Emotionen und Glauben aus; Hypothesen müssen bewiesen werden; Theorien müssen nachprüfbar sein. Insbesondere in den letzten 100 Jahren hat die Physik große Fortschritte in der Erfassung der Natur gemacht. Es ist durchaus möglich, dass die uns zugängliche Natur irgendwann vollständig vom Menschen verstanden wird. Wichtig ist der Zusatz "die uns zugängliche Natur". Man kann großartig darüber spekulieren, dass es noch andere Universen gibt, oder man kann darüber philosophieren, was wohl vor dem Urknall war, oder was sein wird, nachdem das Universum kollabiert ist (falls es kollabiert, dies war zum Zeitpunkt des Schreibens noch nicht bekannt). All’ diese Fragen interessieren weder die Physik noch mich. Es ist müssig darüber zu spekulieren. Keine dieser Thesen kann widerlegt oder bestätigt werden. Was immer es für merkwürdige Sachen geben könnte, wenn sie für uns unzugänglich sind (also kein Informationsaustausch mit uns stattfinden kann), dann haben sie auf uns auch keinen Einfluß. Die Methoden der Naturwissenschaften haben sich bewährt und sind am besten dazu geeignet, die Welt zu verstehen, selbst solche Wesen wie der Menschen, der sich ja oft auf den ersten Blick wenig rational verhält. Die EvolutionWenn wir uns heute das Leben auf dieser Erde ansehen, sind wir sehr beeindruckt. Die Vielfalt und die Komplexität der Lebensformen ist gewaltig. Viele Menschen glauben daher, so etwas kann nur durch einen Schöpfungsakt entstanden sein. Allerdings hat Charles Darwin als erster erkannt, dass ganz einfache Mechanismen zwangsläufig zu dieser Artenvielfalt und zu so komplizierten Organismen führen. Das einzige schwierige am Leben ist der Anfang. Man braucht etwas, was sich selbst reproduzieren kann. Außerdem muß die Reproduktion Variationen (Mutationen) erlauben. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass auf der Erde vor ca. 4 Milliarden Jahren Zustände herrschten, bei denen lange Molekülketten entstanden sind, die diese Eigenschaften hatten. Sobald dieser Anfang gemacht war, ist die Entstehung von hoch entwickelten Lebensformen so gut wie unausweichlich, solange die Umweltbedingungen überhaupt Leben ermöglichen. Der Schlüssel ist die Mutation. Eine Mutation ist eine rein zufällige Veränderung eines Organismus oder seiner Nachkommen. Die Mehrzahl solcher Mutationen sind zum Nachteil des Lebewesens, einige können aber (rein zufällig natürlich) von Vorteil sein. "Vorteil" bedeutet hier allerdings ausschließlich "Überlebensfähigkeit". Eine nachteilige Mutation führt zum Aussterben einer Art. Damit ist der "Nachteil" ausgemerzt; er kann nicht weiter vererbt werden. Mutationen, die aber Überlebensvorteile mit sich bringen, bleiben erhalten, da sie von überlebenden Eltern weitervererbt werden können. Es entstehen also mit der Zeit Lebewesen, die immer besser überleben können. Lebewesen können nicht schlechter werden (weil sie aussterben). Die Evolution kann nur zu höher entwickelten Lebewesen führen. Es ist wichtig diesen Mechanismus mit all seinen Konsequenzen zu verstehen. Zum einen hat er den Charakter eines Naturgesetzes: anders kann es gar nicht laufen. Auch eine "schöpferische Hand" wird nicht benötigt. Zum anderen können sich aus einer Evolution keine beliebigen Lebewesen entwickeln. Es bleiben nur solche bestehen, die das einzige Kriterium "überlebensfähig" für sich und ihre Nachkommen am besten erfüllen. Der MenschDer Mensch ist ein Produkt der Evolution und somit sind seine Eigenschaften auch nicht zufällig so wie sie sind. Zum anderen kann man eine Gesellschaft nur verstehen, wenn man die Bestandteile der Gesellschaft (Menschen) versteht. Der Mensch gehört zu den komplexesten Arten, die die Evolution auf der Erde hervorgebracht hat. Er ist allerdings nicht komplexer als unsere Verwandten, die Säugetiere. Lediglich seine Intelligenz hebt ihn ab von der Masse. Den Menschen gibt es nur deshalb, weil er das Evolutionskriterium "überlebensfähig" gut erfüllt. Ein paar dieser Eigenschaften, die zu einer guten Überlebensfähigkeit führen, möchte ich näher betrachten: FortpflanzungDer Wille sich zu Reproduzieren ist die offensichtlichste Eigenschaft, die die Evolution hervorbringt. Jede Art, der sie fehlt, stirbt bereits nach einer Generation aus. Beim Menschen äußert sich diese Eigenschaft im Sexualtrieb, in der Liebe zum anderen Geschlecht und in der Liebe zu den eigenen Kindern. ÜberlebenswilleDie Notwendigkeit dieser Eigenschaft ist ebenfalls ziemlich offensichtlich. Der Mensch hat Angst vor dem Sterben und ist bereit, alles in seiner Macht zu tun, dem Tod so lange wie möglich zu entgehen. EgoismusEine Art wird dadurch erfolgreich, dass ihre Mitglieder ihr persönliches Wohl über das anderer stellen. Es hat zur Folge, dass starke Mitglieder (eventuell auch auf Kosten Schwacher) besser leben und so ihre Fortpflanzung begünstigen. MaterialismusIndividuen, die Vorräte anlegen, haben verbesserte Chancen, Krisen zu überwinden. Man muß zwischen einem absoluten und relativen Materialismus unterscheiden. Der absolute Materialismus sichert das eigene Überleben, fordert also, dass man über ausreichende Ressourcen wie Nahrung, Wohnraum und ähnliches verfügt. Relativer Materialismus (Neid) orientiert sich am Reichtum von Konkurrenten in einer Gesellschaft. Ich vermute, Neid hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass die Fortpflanzungsmöglichkeiten mit relativem Reichtum steigen (reich macht sexy). MachtgierAndere zu beherrschen und in Abhängigkeit zu halten führt in aller Regel zu einem verbesserten Zugang zu vielen Ressourcen und sichert so das Überleben. Es verbessert auch die Forpflanzungsmöglichkeiten. Im Tierreich ist dies noch sehr offensichtlich (nur der Platzhirsch kann sich paaren), aber auch in unserer Gesellschaft kann man immer wieder feststellen, dass Macht "sexy" macht. Auch dies ist eine klare Konsequenz aus der Evolution. Wenn ich mir einen Partner für die Erziehung meiner Kinder suche, der überdurchschnittliche Überlebenschancen hat, verbessere ich auch die Chancen meiner eigenen Nachkommen. FaulheitDass Menschen faul sind, ist leicht zu beobachten (man bitte nur sein Kind, sein Zimmer aufzuräumen und beobachte die Reaktion). Faulheit führt zu einem bedachten Einsatz seiner eigenen Kräfte und vermeidet Energieverschwendung. Es muss gute Gründe geben, etwas zu tun. Wenn es keine guten Gründe gibt, ist es besser, seine Kräfte durch nichts tun zu sparen. Ein weiterer wichtiger Effekt ist, dass der Mensch bevorzugt solche Arbeiten ausführen, die langfristig Arbeit einsparen. Man organisiert seine Arbeit, um Redundanzen zu vermeiden; automatisiert, um wiederholte Tätigkeiten zu vermeiden; deligiert, um Fachwissen effizienter zu nutzen, etc.. Faulheit führt also zu einer verbesserten Produktivität und ist somit eine der treibenden Kräfte der technischen Entwicklung und Industrialisierung. Ironie des Schicksals ist allerdings, dass Menschen bei dem Versuch ihrer Faulheit nachzugehen, mitunter sehr viel Arbeiten müssen. AggressivitätDarwin glaubte noch, Ziel der Evolution sei die Erhaltung bzw. der Erfolg einer Art. Korrekt ist aber, dass das primäre Ziel die persönliche Fortpflanzung ist. Artgenossen werden nur solange unterstützt, wie sie diesem Ziel dienlich sind. Eine Art, die auch Aggression gegen Artgenossen einsetzt, um persönliche Ziele zu erreichen, führt zu einer Konzentration der aggressiven und starken Mitglieder. Es sollte aber beachtet werden, das ein Übermass an Aggressivität zur Selbstzerstörung führt, also nur eine gezügelte, maßvolle Aggressivität (wie wir sie beim Menschen sehen) hat langfristig Vorteile. Aggression ist nur dann von Vorteil, wenn sie nicht Selbstzweck ist, sondern die Verfolgung anderer Ziele unterstützen kann. So sehen wir, dass zufriedene Menschen nur wenig Aggression zeigen. In unserer Entstehungsgeschichte war es oft so, dass sich bedrohliche Situationen durch Gewalt lösen ließen, und so ist dieses Verhaltensmuster tief in uns verwurzelt. So können wir heute beobachten, dass Menschen scheinbar ziellos Gewalt anwenden, wenn sie Probleme haben. Unser Instinkt sagt uns einfach in einer Konfliktsituation, jetzt muß Gewalt angewendet werden, auch wenn das Problem mit Gewalt mit Sicherheit nicht gelöst werden kann (Beispiel: Vandalismus von gelangweilten Jugendlichen). NeugierNeugierige Wesen haben Vorteile durch Wissensvorsprung. So ist die Überlebenschance eines neugierigen Schimpansens größer als die eines desinteressierten, da der neugierige wohl früher wissen wird, aus welcher Richtung sich ein Leopard nähert. Die Neugier hat es dem Mensch erst ermöglicht, seine Intelligenz im Überlebenskampf erfolgreich einzusetzen. KonservativismusDem Menschen ist alles Fremde (inklusive allem Neuen) zunächst suspekt. Diese Eigenschaft ist uns durch die Evolution mitgegeben worden, weil sie einen Überlebensvorteil darstellt. Wenn der Mensch die Wahl zwischen etwas Bekannten/Bewährten und etwas Unbekannten hat, tendiert er dazu, das Bekannte zu wählen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Unbekannte besser als das Bewährte ist, ist in der Natur in der Regel gering. Beispiel: Ein Urmensch hat Hunger und findet zwei Pflanzen, die eine kennt er gut und weiß, dass sie gut schmeckt und den Hunger stillt. Von der anderen weiß er nichts. Da er konservativ ist, wird er die bekannte Pflanze essen. Wäre er es nicht, und seine Neugier würde in diesem Fall siegen (die unbekannte Pflanze schmeckt ja vielleicht noch besser), könnte er auch eine giftige Mahlzeit zu sich nehmen und daran sterben. Die Evolution hat so (also zum Beispiel durch Lebensmittelvergiftung) alle risikofreudigen Mutationen schnell ad Acta gelegt. SolidaritätDiese Eigenschaft folgt aus den bereits genannten. Eine oft angewandte Überlebensstrategie ist das Zusammenschliessen von Individuen zu Gruppen. Wie bei vielen andere Säugetieren haben sich Gruppen auch beim Menschen als vorteilhaft erwiesen (Familienverbände, Clans, Völker). Die Evolution hat uns deshalb auch mit den Gefühlen Freundschaft und Solidarität ausgestattet. Es muß aber beachtet werden, dass wir uns nur solange solidarisch verhalten, wie stärkere Eigenschaften wie Fortpflanzung, Überlebenstrieb, Egoismus, etc. dadurch gestützt oder zumindest nicht eingeschränkt werden. Letztendlich ist sich jeder selbst der Nächste. FreiheitAuch das Verlangen nach Freiheit würde ich als sekundären Trieb bezeichnen. Ich vermute, Menschen möchten frei sein, um nicht in ihrer Verfolgung von den primären Zielen wie Fortpflanzung, Egoismus, Materialismus, etc. eingeschränkt zu sein. Der Trieb ist deshalb sekundär, weil er durchaus geopfert wird, um primäre Ziele zu erreichen. So gibt es Menschen, die ihre Freiheit, morgens beliebig lange schlafen zu können, aufgeben, nur um durch einen Job ihrem Materialismus nachgehen zu können. IntelligenzDiese Eigenschaft ist sicherlich nicht notwendig um zu überleben. So ist die Kakerlake sicherlich weniger intelligent als der Mensch, aber uns wahrscheinlich in Sachen "Überlebensfähigkeit" haushoch überlegen. Der Mensch hat aber gezeigt, dass Intelligenz genutzt werden kann, um die Überlebensfähigkeit zu steigern. So kann sie z.B. zwischen der Neugier und dem Konservativen in uns vermitteln. So könnte ein Urmensch eine unbekannte Pflanze zunächst Tieren zu fressen geben um zu prüfen, wie sie ihnen bekommt. Einige der genannten menschlichen Eigenschaften habe ich als sekundär bezeichnet. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass diese Eigenschaften nur vorhanden sind, um andere, fundamentalere (also primäre) Ziele des Menschen zu verfolgen. Allerdings ist die Trennung von primären und sekundären Zielen nicht eindeutig zu ziehen. Man könnte z.B. nur den Fortpflanzungstrieb als primär bezeichnen und für jede andere Eigenschaft argumentieren, sie ist nur vorhanden, um die Fortpflanzung zu unterstützen. Gegen eine solche Sichtweise ist nichts einzuwenden. Ich habe die Grenze zwischen primär und sekundär dort gezogen, wo Ziele bereitwillig aufgegeben werden, um elementarere zu verfolgen. Alle soeben diskutierten menschlichen Eigenschaften haben den Charakter eines Instinkts, sind also nicht erlernt, sondern wurden uns von der Evolution in die Wiege gelegt (mit anderen Worten, sie werden ererbt). Viele Menschen glauben, unsere Intelligenz gäbe uns die Möglichkeit, uns von unseren Instinkten unabhängig zu machen. Ich halte das aber für naiv und auch nicht für erstrebenswert. Vielleicht hat der indische Guru seine Instinkte überwunden, wenn er nach vielen Jahren Askese und Meditation im Nirwana schwebt. Als allgemeines Gesellschaftsmodell halte ich das Nirwana aber für wenig geeignet. Vielmehr sollten wir den Menschen, so wie er ist und so wie die Natur (Evolution) ihn gemacht hat, akzeptieren und in einer Gesellschaft leben, die zu seinen Eigenschaften paßt. Wir müssen akzeptieren, dass diese Eigenschaften nicht zufällig entstanden sind und von uns nicht ohne weiteres verändert werden können. Einen Instinkt kann man vielleicht unterdrücken, aber wir können ihn nicht ändern. Ändern kann ihn nur die Evolution über hunderttausende von Jahren, falls zufällig menschliche Mutanten entstehen, die andere, ebenfalls erfolgreiche Instinkte hervorbringen. Dies ist aber im hohen Maße unwahrscheinlich (wenn auch nicht unmöglich). Unsere Instinkte decken sich weitgehend mit denen der uns verwandten Säugetiere. Offensichtlich haben sie sich bewährt. Die Möglichkeit, dass der Mensch selbst seine eigene Entwicklung durch gezielte Mutation (oder besser Manipulation) in die Hand nimmt (wie es ja schon bei Nutzpflanzen und Nutztieren getan wird), möchte ich gedanklich nicht weiter verfolgen. Ich gehe zunächst einmal davon aus, dass der Mensch so ist wie er ist. Mich interessiert auch mehr der derzeitige Zustand der Gesellschaft und vielleicht die Zukunft, die ich noch erleben werde. Von Menschen gezielt manipulierte Menschen werden in den nächsten 50 Jahren mit Sicherheit keine Rolle spielen. Der liebe GottDiese Sache ist ziemlich klar: es gibt keinen Gott und auch sonst keine übernatürliche Macht, die uns unter ihre Fittiche nimmt. Ich gestehe, dass ich sehr lange gebraucht habe, um dies klar zu erkennen. Der gesellschaftliche Druck, an Gott zu glauben, ist groß. Ich bin fest davon überzeugt, die meisten Menschen glauben nur deshalb an Gott, weil so viele andere es auch tun. Wer den Mut hat, ernsthaft über das Thema nachzudenken, muß zwangsläufig zum Ergebnis kommen, dass es keinen Gott gibt. Ein paar Gründe: Wenn Gott uns und die Welt erschaffen hat, wer hat dann Gott erschaffen? Hat Gott selbst auch einen Gott (nennen wir ihn Super-Gott)? Wer hat dann den Super-Gott erschaffen, etc.? Ein Gläubiger würde einwenden, Gott war einfach schon da, basta. Ich hingegen sage, der Urknall war einfach da. Wo ist da der große Unterschied? Ganz einfach: Für die Entstehung des Universums im Urknall und des Lebens durch die Evolution gibt es jede Menge wissenschaftliche Beweise. Genauso viele Beweise gibt es gegen die Entstehungsgeschichte nach dem Buch Genesis. Und wieso beziehe ich mich eigentlich auf die Bibel? Es gibt hunderte wenn nicht tausende von Religionen und noch viel mehr Religionen von Urvölkern, die längst vergessen sind. Jede beansprucht für sich die "absolute Wahrheit". Welche ist denn nun wahr? Da sie sich in der Regel widersprechen, und so überhaupt nur eine wahr sein kann, können wir die überwiegende Anzahl der Religionen schon mal mit Sicherheit als unwahr bezeichnen. Wenn es einen Gott gibt, warum teilt er uns die wahre Religion nicht in aller Klarheit mit? Warum ist es per Definition (der Kirchen, nicht Gottes) so, dass man an eine Religion "glauben" muß? Warum läßt uns der liebe Gott nicht nachprüfbar "wissen", dass es ihn gibt? Die Antwort ist klar: man kann die Existenz von etwas, was es nicht gibt, auch nicht beweisen! Hier drängt sich natürlich die Frage auf: wenn es keinen Gott gibt, warum hat dann jede Gesellschaft mindestens eine Religion und mindestens einen Gott? Ich habe noch nie von einem Volk gehört, in dem es überhaupt nichts Spirituelles gibt. Das hängt mit einer schon erwähnten fundamentalen Charaktereigenschaft des Menschen zusammen: Neugier. Der Mensch möchte alles, was er sieht, verstehen. Kommt nun noch ein wenig Überheblichkeit hinzu, dann tut sich der Mensch sehr schwer zu akzeptieren, dass er auf einige Fragen keine Antwort geben kann. Als Lösung des Problems werden die Antworten einfach ins Mystische verschoben. Da der Mensch diese Vorgänge nicht versteht, geht er einfach davon aus, dass man sie gar nicht verstehen kann. Sie haben mit übernatürlichen Kräften zu tun, die der Mensch nicht erfassen kann. Der liebe Gott muß also als Erklärung aller vom Menschen nicht verstandener Phänomene herhalten. Die heute dominierenden Religionen und die Religionen von Naturvölkern sind zu einem Zeitpunkt entstanden, als die Naturwissenschaften noch wenig entwickelt waren und nur wenige Antworten auf die Frage, wie die Natur funktioniert, geben konnten. Übernatürliche Kräfte (z.B. ein Gott) waren daher notwendig, diese Lücken zu füllen. In der westlichen Zivilisation hat die Physik allerdings gerade in den letzten 100 Jahren viele der früher nicht verstandenen Zusammenhänge aufgedeckt. Der Raum für den lieben Gott wurde also immer kleiner. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Glaube bei uns eine immer geringere Rolle spielt. Es gibt heute natürlich immer noch unbeantwortete Fragen. Ich lehne es jedoch ab, diese in die Zuständigkeit des lieben Gottes zu entlassen. So wie viele Fragen der Vergangenheit dann doch irgendwann von den Naturwissenschaften beantwortet werden konnten, wird es wohl auch mit den heute noch offenen sein. Bemerkenswert ist, dass der Stellenwert von Gott ausschließlich von unserem Erkenntnisstand abhängig ist, und nicht etwa von Gott selbst. Auch daran kann man leicht erkennen, dass nicht der liebe Gott etwa uns erschaffen hat, sondern wir ihn (allerdings nur in unserer Phantasie). Der Grund hierfür ist unsere Intelligenz und unsere Unfähigkeit, nicht erklärbare Erscheinungen zu akzeptieren. Vielen Menschen gelingt es nur durch einen Selbstbetrug (Glaube an Gott), dieses Dilemma zu überwinden. Die Erkenntnis, es gibt keinen Gott, hatte zumindest für mich eine einschneidende Wirkung. Viele Widersprüche in der Welt lösen sich wie von selbst auf. Viele anscheinend unlösbare Fragen lassen sich auf einmal mühelos beantworten. Man braucht nicht mehr zu wählen zwischen beobachteten Tatsachen und ihnen widersprechenden Aussagen einer Religion. Die Rolle der Kirchen wird auch sofort klar (siehe nächsten Abschnitt). Man fühlt sich nicht mehr beobachtet, fürchtet sich nicht mehr vor Geistern oder vor dem Teufel, fragt sich nicht mehr, ob denn nun die katholische oder evangelische Kirche mehr im Sinne Gottes handelt, AIDS eine Strafe Gottes speziell für Homosexuelle und Junkies ist, und so weiter und so fort. Auch können wir uns vom Konzept der Seele verabschieden, das selbst allerdings auch über genug Widersprüchliches verfügt, um sich selbst in Frage zu stellen. Die Menschen haben sich die Seele ausgedacht, weil sie das ICH-Gefühl, das eigene Bewußtsein, nicht begreifen können. Da es hierfür keine Schublade gab, wurde eben eine erfunden: die Seele. Offensichtlicher Unsinn ist allerdings, dass nur Menschen eine solche Seele haben sollen, aber nicht die vielen anderen Lebewesen auf dieser Welt. Welch Ausdruck von Überheblichkeit! Es gibt keinen fundamentalen Unterschied zwischen dem Menschen und anderen Arten, da wir alle die gleiche Entstehungsgeschichte haben. Also wenn schon Seele, dann doch bitte für alle: Menschen, Affen, Hunde, Kakerlaken, Bandwürmer, Bakterien, Gänseblümchen, Ebola-Viren, sogar BSE-Erreger, die ja nicht einmal aus einer einzigen Zelle bestehen, aber doch Lebewesen sind. Ein weiteres Problem ist, dass Seelen zwar per göttlicher Schöpfung entstehen können, aber man wird sie nicht wieder los. Sie sind ja (zumindest bei den Christen) unsterblich und werden nicht per Wiedergeburt recycled. Wenn man bedenkt, wieviele Seelen (man denke nur an die vielen und sehr kurzlebigen Einzeller) bisher in den letzten 4 Milliarden Jahren existiert haben, müßte es irgendwann eng werden im Himmel und in der Hölle. Seelen gibt es nicht. Das schwer verständliche ICH-Gefühl ist nichts anderes als ein chemisch/physikalischer Prozess in unserem Gehirn, der sicherlich in ähnlicher Form auch in vielen höher entwickelten Tieren abläuft. Einzelheiten dieses Prozesses sind noch nicht bekannt oder verstanden. Das allein muß aber überhaupt nicht bedeuten, dass es einen solchen Prozess nicht gibt. Ein weiteres Phänomen finde ich in diesem Zusammenhang interessant. Viele Gesprächspartner teilen meine Kritik an den Kirchen nicht oder nur zum Teil. Trotzdem kann man aber durchaus mit ihnen mehr oder weniger sachlich über das Thema Kirche diskutieren (von religiösen Fanatikern einmal abgesehen). Ganz anders verhält es sich mit der Konfrontation mit der Aussage: Es gibt keinen Gott. Dies wird oft als persönlicher Angriff und als Beleidigung gewertet. Wie kann man sich das erklären? Ich vermute, solche Leute hegen trotz ihres Glaubens gewisse Zweifel. Sie glauben nur deshalb an Gott, weil es auch die anderen tun. Wenn nun einer daherkommt und die Existenz Gottes mit nüchternen Argumenten vom Tisch fegt, bröckelt eine Glaubenssäule (nämlich dass die anderen ja auch alle glauben). Schlimmer ist, dass man sich dabei erwischt fühlt, wie man auf einen unglaublichen Schwindel hereingefallen ist, den man durch einfaches Nachdenken hätte erkennen können. Die KirchenDie Kirchen sind sehr weltliche Organisationen, von Menschen für Menschen, aber vor allen Dingen für ihre Funktionäre gemacht. Ich bin ziemlich sicher, dass hohe Funktionäre der Kirchen genau so gut wie ich wissen, dass es keinen Gott gibt. Wichtig ist nur, dass das gemeine Volk daran glaubt und davon überzeugt ist, die Kirche sei der Vertreter Gottes hier auf Erden. Bei den Kirchen handelt es sich um Organisationen, die aus den schon beschriebenen, menschenlichen Eigenschaft wie Egoismus, Materialismus, Machtgier, etc. entstanden sind. Vor allen Dingen kann man der Machtgier hervorragend unter dem Deckmantel der Religion nachgehen. Es ist klar, dass sich ein Gläubiger gern seinem Gott (oder auch dem Vertreter Gottes) bereitwillig unterwirft. Der liebe Gott steht über dem Menschen; so kann sein Wort und sein Wille nicht von Sterblichen angezweifelt oder mißachten werden. Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr Möglichkeiten fallen einem ein, wie man Religion nutzen kann, um Macht über Menschen zu erlangen und auszuüben. Gerade in den letzten paar Jahrzehnten haben wir immer wieder gesehen, wie erfolgreich Sektenführer die Religion verwenden, um ihre persönliche Machtgier, Egoismus, Materialismus, ja sogar ihren Fortpflanzungstrieb in sehr direkter Form, zu befriedigen. Folgend sind eine paar Beispiele aufgeführt, in denen die christlichen (aber auch andere) Kirchen offensichtlich ihren eigenen Machtinteressen nachgehen oder nachgegangen sind. BeichteSinn der Beichte ist es, der Kirche einen Informationsvorsprung zu verschaffen. Der Pfarrer weiß über jede kleine und große Schweinerei seiner Schäfchen bescheid. Diese Kenntnis ist von unschätzbarem Wert um Macht über Mitglieder einer Gemeinde auszuüben. Wer beichtet macht sich durch den Pfarrer erpressbar. Es ist kaum denkbar, dass so etwas wie die Beichte mit anderen Mechanismen als der Religion durchsetzbar wäre. Man muß schon mit dem Fegefeuer und Entzug des Paradieses drohen können. Auch der Glaube, der liebe Gott hat’s sowieso gesehen, und nur die Selbstanzeige beim Pfarrer (und nicht etwa beim lieben Gott) kann die Sache wieder bereinigen, hilft ungemein. Die Beichte ist wirklich eine ganz tolle Idee, die im zwanzigsten Jahrhundert auch von anderen Religionen aufgenommen und weiterentwickelt worden ist (z.B. das Auditing der Scientologen). HeiligsprechungDie Aussicht, vom lieben Gott privilegiert behandelt zu werden, hat eine enorme Attraktivität. Die Kirche kann z.B. mit Heiligkeit frohlocken, um besonders gefährliche Aufgaben erledigen zu lassen. So kann ein heilig gesprochener Märtyrer als Werbung für die Kraft einer Religion verwendet werden. Beim Islam ist der heilige Krieg sehr populär, um besonders risikofreudige (und so besonders effektive) Soldaten zu bekommen. Hohe Funktionäre wie z.B. der Papst setzen die Heiligsprechung ein, um ihre Untertanen für sich die unangenehmen Jobs ausführen zu lassen. Sie selbst brauchen allerdings nicht extra ihr Leben aufs Spiel zu setzten; sie werden automatisch heilig. Einige Menschen sind eben doch gleicher als andere. InquisitionHier ist es der Kirche gelungen, Methoden der Strafverfolgung anzuwenden, die bei "normalen" Vergehen nicht durchsetzbar wären. Das Argument, es liegt ein Verbrechen gegen Gott vor, war so schwerwiegend, dass auch härtere Verfolgungsmaßnahmen geboten schienen. Für die Kirche war das natürlich eine ganz tolle Sache. Jeder unliebsame Zeitgenosse konnte auf sehr einfache Weise und völlig risikolos eliminiert werden. Die bloße Behauptung, er betreibe Ketzerei, führte zu seinem Tod, ohne dass irgendwelche Beweise zu erbringen wären. Ein effektiveres Machtinstrument kann man sich kaum vorstellen. MissionareZiel der Missionare war sicherlich nicht, Menschen zu helfen. Im Gegenteil. Funktionierende Strukturen wurden zerstört und ursprünglich unabhängige Menschen wurden von der westlichen, christlich geprägten Gesellschaft abhängig gemacht. Sinn der Sache war, den Einflußbereich der Kirche zu vergrößern. Als "Global Player" versuchte die Kirche, von der zu jedem Zeitpunkt ihrer Geschichte bekannten Menschheit einen möglichst großen Marktanteil für sich verbuchen zu können. Die katholische Kirche im dritten ReichHier hat die Kirche bewiesen, dass ihr ihr eigenes Wohl wichtiger ist, als das von Hilfsbedürftigen. Die Kirche stellte sich auf die Seite der vermeintlichen Sieger. Seine Waffen wurden vor dem mörderischen Einsatz gesegnet. Gegen den organisierten Massenmord an Juden und anderen Volksgruppen wurde nichts unternommen. Die Kirche glaubte, die Faschisten würden sich langfristig durchsetzen und errechneten sich die besten Chancen für einen Machterhalt, wenn sie sie unterstützen. Solche Überlegungen spielen eine viel größere Rolle als die Lehren der christlichen Religion (z.B. Du sollst nicht töten), die sie ja vorgibt zu vertreten. HeucheleiDie christlichen Kirchen propagieren die Lehre der Bescheidenheit und fordern dazu auf, Reiche (und auch weniger Reiche) sollten Bedürftigen helfen. Gleichzeitig häuft die Kirche aber gern beachtliche Reichtümer an, die keineswegs geteilt werden. So werden z.B. gern sündhaft teure Prunkbauten errichtet, bei deren Bau auch der eine oder andere Bauarbeiter seinen Tod finden kann. Stolz ist man auch auf Kirchenschätze aus Gold und Edelsteinen, die zuweilen ausgestellt werden. Bedürftige müssen sich da mit Bestaunen begnügen. Gern wird der Klingelbeutel im Gottesdienst zur Kollekte gereicht, die Schätze der Kirche bleiben davon aber verschont. Erstaunlich finde ich es, dass sogar so eklatante Vorfälle wie dutzende Prostituierte im Dienste des Papstes während der Renaissance der katholischen Kirche keinen bleibenden Schaden zugefügt haben. Wahrscheinlich kam das einfach zu spät raus. Die Kirche als WirtschaftsunternehmenDank eines Versäumnisses unserer deutschen Verfassung (es wird keine Trennung von Staat und Kirche vorgeschrieben) ist es den zwei einflußreichsten Kirchen gelungen, die öffentliche Verwaltung ihr Inkasso abwickeln zu lassen. Das Ergebnis sind Milliarden Einnahmen. Dies macht immerhin Jahresbezüge von ca. DM 380.000,- für einen Bischof möglich (Stand: 1990). Noch professioneller ziehen das natürlich die Amerikaner ab. Mit TV-Live-übertragenen und per Regie gesteuerten Gottesdiensten werden Werbeeinnahmen erwirtschaftet, die so manchen Prediger zum Millionär gemacht haben. Beeindruckt hat mich auch der wirtschaftliche Erfolg von Guru Bhagwan und Konsorten. Die Liste der Beispiele ließe sich bestimmt noch lange fortführen, aber ich glaube, das Aufgeführte sollte ausreichen, um meine These zu untermauern. Selbst wenn es einen Gott gäbe, so wird er nicht von den Kirchen auf Erden vertreten. Vielmehr handelt es sich um Organisationen, die sehr menschlichen Interessen nachgehen (Egoismus, Materialismus, Machtgier, etc.). Es gibt aber einen Aspekt, vor allem der katholischen Kirche, der noch nicht erwähnt wurde: Sie hat unsere europäische Kultur und Gesellschaft maßgeblich geprägt. Unsere Werte sowie unsere ethischen und moralischen Vorstellungen haben überwiegend ihre Wurzeln in der christlichen Religion, die seit 2000 Jahren durch die katholische Kirche in Europa und der Welt verbreitet wurde. Dank ihrer Macht hat sie diese Werte fest in unserer Gesellschaft verankern können. Ich bin zwar kein Freund der Kirchen, bekenne mich aber schon zu den Grundwerten der christlichen Welt. Ich halte sie im allgemeinen für durchaus geeignet, das Fundament einer modernen Gesellschaft zu bilden. Eine gute Zusammenfassung dieser Werte findet sich in den zehn Geboten (siehe Anhang). Lediglich in Detailfragen liegt die katholische Kirche hin und wieder schief (z.B. Verhütung). Die katholische Kirche kann durchaus eine konstruktive Rolle bei der Verbreitung dieser klassischen, christlichen Werte heute noch übernehmen. Eine Vermittlung dieser Werte ist notwendig, da wir leider einen deutlichen Verfall dieser Werte in unserer Gesellschaft beobachten können. Viele Bereiche (z.B. soziale Absicherung von Familienmitgliedern), die in der Vergangenheit durch klassische, christliche Tugenden abgedeckt wurden, werden in zunehmenden Maße an den Staat deligiert. Dieser Trend wird z.B. durch sozialistische Einflüsse geschürt. Ich halte den Sozialstaat aber nicht für einen geeigneten Ersatz für christliche Werte, bestenfalls sollte er eine Ergänzung darstellen. In der Rolle als Wertevermittler wird die Glaubwürdigkeit der Kirche allerdings durch die oben genannten Tatbestände sehr in Frage gestellt. Werte und MoralWerte bilden das Fundament einer Gesellschaft. Sie sind der kleinste gemeinsame Nenner, auf den sich die Mitglieder einer Gesellschaft einigen müssen, um friedlich miteinander leben zu können. Die Werte der westlichen Zivilisationen haben sich über viele tausend Jahre entwickelt. Sie unterliegen einem gesellschaftlichen Evolutionsprozess. Die Menschen haben im allgemeinen an erfolgreichen Werten festgehalten und überflüssige oder schädliche wieder verworfen. Gerade im zwanzigsten Jahrhundert wurde teilweise versucht, unsere Werte radikal zu verändern. Die stärkste solche Kraft war wohl der Sozialismus in diversen Formen (z.B. sozialistische Staaten, die APO der 60er Jahre, etc.). Der Ursprung unserer Werte ist in den menschlichen Charaktereigenschaften und unseren Religionen zu finden. In modernen Gesellschaften werden die Werte als Gesetze formuliert. Dies bedeutet, dass ihre Einhaltung durch Organe der Gesellschaft überwacht werden kann. Ein paar besonders wichtige Werte möchte ich kurz näher beleuchten: Der Schutz von persönlichem EigentumDer Mensch ist ein Materialist. Er möchte einmal erworbenes Eigentum nicht wieder verlieren. Die christliche Bibel hat diesem Bestreben das 8. und 10. Gebot (siehe Anhang) gewidmet. Unser bürgerliches Recht und Strafrecht beschäftigt sich ausführlich mit den Begriffen Eigentum und Besitz sowie um deren Schutz vor Diebstahl, Betrug, etc. Da Materialismus eine fundamentale, angeborene Eigenschaft des Menschen ist, ist die Anerkennung und der Schutz von Privateigentum ein wichtiger Bestandteil einer gesellschaftlichen Grundordnung. Treue des SexualpartnersAuch dieser Wunsch wird im 7. und 10. Gebot der Bibel Rechnung getragen. Dieser Wert resultiert aus unserem Fortpflanzungstrieb. Man möchte nicht, dass einem eine Fortpflanzungsmöglichkeit streitig gemacht wird. Wir müssen allerdings eingestehen, dass unser Fortpflanzungstrieb (der sich ja im Sexualtrieb niederschlägt) durch unsere Instinkte nicht begrenzt ist. Menschen haben das bestreben, mehrere Sexualpartner zu haben. Einige Gesellschaften (z.B. einige islamisch geprägte) erlauben daher die Vielehe. Unsere Gesellschaft ist zu dem Ergebnis gekommen, dass mehrere gleichzeitige Partner zu vielen Konflikten führen und dass daher ein Bekämpfen dieses Triebes das kleinere Übel ist. Die Wertung von wechselnden Sexualpartnern in Gesetzen und in unseren Moralvorstellungen steht im ständigen Wandel und wird wohl immer kontrovers bleiben. Unser Sexualtrieb enthält nun einmal einfach diesen Konfliktstoff: das Streben nach maximaler Fortpflanzung (bzw. Sex) und gleichzeitig dem Partner(n) das gleiche Recht nicht zugestehen zu wollen. Ich gehe davon aus, dass die Grundeigenschaften des Menschen nicht zu ändern sind. Daher wird dieser Konflikt immer in einer Gesellschaft schwelen. Nochmals betonen möchte ich aber, dass ein genau so gearteter Sexualtrieb aus Sicht der Evolution als optimal bezeichnet werden muß. Er ist also keineswegs zufällig so. EhrlichkeitDas 3. und 9. Gebot nehmen sich dieses Themas an. Der Mensch verspürt von sich aus nicht unbedingt das Verlangen, ehrlich zu sein. Wir haben aber erkannt, dass wir mit unseren Mitmenschen nur dann auskommen können, wenn sie sich berechenbar und konstruktiv gegenüber anderen verhalten. Wir sind uns deshalb darüber einig, dass Ehrlichkeit ein notwendiger Wert in einer Gesellschaft ist, auch wenn wir gelegentlich aufgrund unserer Instinkte (z.B. Egoismus) gern davon abweichen möchten. Respektierung der MitmenschenDas 5., 6., 9., und 10. Gebot enthalten Anweisungen zu diesem Thema. Dieser Wert läßt sich zwar mit unserer instinktiven Solidarität erklären, steht aber ebenfalls hin und wieder im Widerspruch zu anderen Instinkten, wurde aber entwickelt um die Bildung von Gesellschaften zu ermöglichen. Der Mensch möchte natürlich von anderen respektiert werden, um sein Eigentum, seine Macht, seine Familie, etc. vor anderen schützen zu können. In einer Gesellschaft hat er erkannt, dass er das nur erreichen kann, wenn er auch andere respektiert. In unseren Gesetzbüchern schlägt sich dies z.B. im ersten Artikel des deutschen Grundgesetzes nieder (die Würde des Menschen ist unantastbar) oder auch in den international anerkannten Menschenrechten. Auch eine Reihe von gesellschaftlichen Konventionen fallen in diesen Bereich (z.B, Umgangsformen, Höflichkeit, Gastfreundschaft, etc.). Die oben genannten Werte haben sich bewährt, weil sie im Einklang mit unseren charakterlichen Eigenschaften stehen. Ich bin davon überzeugt, dass eine Gesellschaftsform nur dann Erfolg haben kann, wenn sie sie respektiert, oder genau so gut begründete Werte finden kann. EthikDer Begriff Ethik ist in der jüngeren Vergangenheit populär geworden, um zu definieren, wie der Mensch mit der Natur umgehen darf. Die Kirchen stehen hier in vorderster Front. Sie möchten der Menschheit nicht erlauben, in den Schöpfungsakt einzugreifen. Nun, wenn ich Gott wäre, würde ich mir sowieso nicht einfach ins Handwerk pfuschen lassen, und bräuchte keine Kirche, die dies für mich überwacht. Da es weder einen Gott noch einen Schöpfungsakt gibt oder gab, ist die Argumentation der Kirche ohnehin obsolete. Hieraus folgt auch, dass es keine höhere Instanz gibt, die für uns eine Ethik definieren könnte. Wir selbst müssen dies tun und sind dabei völlig frei. Der wohl geeigneteste Ansatz wäre einfach, unsere im Abschnitt "Der Mensch" aufgeführten Eigenschaften zu nehmen, und ethische Fragen an diesen zu messen. Ethik ist also etwas von Menschen für Menschen. Das Bestreben nach ethischen Grenzen ergibt sich aus der menschlichen Eigenschaft Konservativ. Die technische Entwicklung ist rasend schnell. Die große Mehrheit ist nicht in der Lage, all diese Entwicklungen zu überblicken oder gar zu verstehen. Also tendieren wir dazu, Sachen, die wir nicht verstehen, abzulehnen. Dies führt zu einem Konflikt zwischen der breiten Masse, die sich aus Angst vor Neuem und Unbekannten Fortschritt widersetzt, und Wissenschaftlern, die eine neue Technologie verstehen, und nach fundierter (weil mit Wissen durchgeführter) Analyse deren Einsatz befürworten. Ich persönlich bin der Meinung, es ist oft besser komplexe Sachfragen von Leuten beurteilen zu lassen, die etwas davon verstehen. In der Justiz wird das z.B. so praktiziert, indem Gutachter beschäftigt werden. In einer Demokratie wird aber nicht nach diesem Prinzip gehandelt (aber zu diesem Thema kommen wir noch später), und die Masse der nicht-Wissenschaftler wird oft die Oberhand behalten. Ein Konsequenz ist, dass wissenschaftliche Erkenntnisse eventuell lange nicht verwendet werden. Auf der anderen Seite hat es den Vorteil, dass das Neue etwas Zeit hat, in der Gesellschaft diskutiert zu werden und so besser akzeptiert wird. Um meinen Denkansatz zum Thema Ethik zu verdeutlichen, möchte ich ein paar aktuelle Ethik-Themen näher beleuchten: AbtreibungWir haben uns alle auf fundamentale Werte wie "Du sollst nicht töten", oder "Die Würde des Menschen ist unantastbar" geeinigt. Die offene ethische Frage ist: Wo fängt das Leben bzw. der Mensch an zu existieren? Also, ab wann greifen diese Werte? Wenn ich weiß, es geht um einen lebenden Menschen, dann ist Abtreibung ganz klar Mord und ist nicht anders zu behandeln. Wenn es sich bei dem Embryo aber noch nicht um einen Menschen handelt, dann greifen diese auf "Menschen" zugeschnittenen Werte noch nicht. Also: in welchem Moment beginnt ein Mensch zu leben? Antwort: Es gibt keine absolute Antwort, es ist eine Definitionsfrage. Wir selbst können den Beginn des Lebens völlig frei postulieren. Keine absolute Antwort bedeutet, es gibt keine höhere Instanz, die uns diese Frage beantworten kann. Die Kirche meint, die Frage beantworten zu können, da sie im Bunde mit dem Schöpfer, also demjenigen, der Leben erschafft, steht. Da es aber keinen Gott und keinen Schöpfer gibt, hat die Kirche kein bißchen mehr Kompetenz als irgend ein anderer. Man kann die Frage auch reduzieren auf: was ist Leben, oder besser: wie definieren wir Leben? Man kann jede Menge Definitionen finden, und keine ist besser oder schlechter als eine andere. Beispiel: Ein reproduktionsfähiges Proteinmolekül lebt (z.B. ein BSE-Erreger). Eine einzelne Zelle lebt, solange sie ihren Stoffwechsel durchführt (z.B. eine Spermazelle. Sie "lebt" bis zu einigen Tagen außerhalb des sie erzeugenden Hoden). Eine befruchtete Eizelle bzw. ein Embryo lebt, allerdings kann er nicht selbstständig leben. Durchtrennt man die Nabelschnur, stirb er. Ist er also eher Teil des Lebens seiner Mutter? Ein zur Welt gekommenes Kind lebt, ohne auf eine Nabelschnur angewiesen zu sein. An diesem Punkt wird wohl jeder das "Menschsein" bejahen, obwohl man natürlich immer noch nicht von selbstständigen Leben sprechen kann. Auf sich allein gestellt hätte auch ein neugeborenes Kind keine Überlebenschance. Offensichtlich ist das Menschwerden eine fließende Sache. Was ich nur verdeutlichen möchte ist, dass es an uns liegt, zu definieren, was Leben ist und wo wir die Grenzen zum Menschsein ziehen möchten. Es gibt nichts außerhalb des Menschen, das diese Definitionsaufgabe für uns übernimmt. Ich selbst kann auch keine allgemeingültige Antwort auf die Fragen geben, weil es keine gibt. Man (also eine Gesellschaft) muß sich bemühen, sich auf eine Definition zu einigen, mit der alle (oder zumindest eine große Mehrheit) leben kann. Da es keine absolute Antwort gibt, ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die Antwort, auf die sich eine Gesellschaft einigt, mit der Zeit verändert. OrgantransplantationHier geht es genau um das Gegenteil: Wann hört ein Mensch auf, Mensch zu sein und wird aus dem Schutz von Werten wie "Die Würde des Menschen ist unantastbar" entlassen? Verwandte Themen sind z.B., ob es ethisch vertretbar ist, Organe von Tieren für Menschen zu verwenden. Ich meine, dass diese Fragen schon viel einfacher zu beantworten sind. Nach dem Tod eines Menschen bleibt nur eine organische Masse, die in kurzer Zeit von Mikroorganismen (oder auch größeren, wenn sie Zugang zur Leiche finden) verspeist wird. Ich meine, dass den Interessen eines schwer kranken Menschen denen einer hungrigen Bakterie ein höheres Gewicht zuzumessen ist. Auch kann ich keinen Grund gegen die Verwendung von tierischen Organen erkennen. Es wird ja auch im allgemeinen ethisch als unbedenklich empfunden, eine Schweineleber zu essen. Warum soll man die selbe Leber nicht verwenden dürfen, um einem Menschen das Leben zu retten? Bleiben die Fragen: wann ist ein Mensch tot und darf man einem Toten Organe entnehmen, wenn er dazu nicht ausdrücklich zu Lebzeiten seine Zustimmung erteilt hat? Mit dem Tod ist es genau so wie beim Beginn des Lebens. Die Menschen müssen für sich definieren, was denn das ist, der Tod. Der zur Zeit gebräuchliche Hirntod ist sicherlich keine schlechte Wahl, da er aufgrund objektiver, messbarer Fakten feststellbar ist, und da es gut nachvollziehbare Argumente für die These gibt, dass ein Hirntoter nie wieder zu Bewußtsein kommen wird. Meiner Meinung nach würde das letzte Kriterium (nie wieder Bewußtsein erlangen) schon ausreichen, aber dieser Zustand muß eben juristisch nachweisbar sein. Der Hirntod tritt wohl erst zu einem noch späteren Zeitpunkt ein, aber er erfüllt eben auch die Nachweisbarkeit. Die Frage, ob man Organe auch ohne Zustimmung entnehmen darf, würde ich bejahen. Wenn ein Mensch tot ist, hat er keine schützenswerte Würde mehr. Bestenfalls die Interessen seiner Angehörigen (z.B. eine Beerdigung mit einem vollständigen Körper) könnte man noch schützen. Diese Interessen müssen aber gegen die von Kranken abgewogen werden, deren Leben von einer Organspende abhängt. Eingriffe in ErbanlagenDiese Möglichkeit der modernen Medizin ist noch sehr jung. Hier greift sofort das Konservative im Menschen. Erbgutmanipulation ist fremd und wird von den meisten Menschen (ich inklusive) im Detail nicht verstanden. Die natürliche Reaktion ist also Ablehnung. Die Kirchen sehen zurecht das Risiko, dass eine der letzten Bastionen des lieben Gottes, die Schöpfung von Leben, auch noch fällt, was wiederum zu einem Machtverlust führt. Wissenschaftler, die diese Techniken verstehen, tendieren allerdings eher dazu, die objektiven Chancen für die Medizin zu sehen, ohne aber dabei die Risiken zu verschweigen oder zu verharmlosen (warum sollten sie sie auch verharmlosen? Sie wären von den Risiken eher noch stärker betroffen als andere). Nicht-Wissenschaftler stürzen sich dann auf diese objektiven Risiken und überbewerten sie, um den wahren Grund ihrer Ablehnung (konservativ, Angst vor dem Unbekannten) zu verschleiern. Ich selbst bin sicherlich kein Experte der Gentechnik, aber wie schon erwähnt würde ich die Beurteilung Leuten überlassen, die etwas davon verstehen (also Genforschern). Als Leihe kann ich mir zu dem Thema nur folgende Gedanken machen: Die gesamte Evolution, die die von uns so bewunderte lebende Natur hervorgebracht hat, funktioniert nur aufgrund von Genmanipulation. Der einzige Unterschied ist, dass die natürliche Manipulation (Mutation) rein zufällig stattfindet und somit zu rein zufälligen Ergebnissen führt. Diese wiederum sind mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit negativ für das betroffene Lebewesen. Man betrachte nur Menschen, die starker, unkontrollierter, radioaktiver Strahlung ausgesetzt worden sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihr Gesundheitszustand dadurch verbessert, ist nicht Null, aber offensichtlich doch sehr klein. Vom Menschen durchgeführte Genmanipulation hingegen ist gezielt und somit nicht zufällig. Bei guter Kenntnis der Gene können negative Folgen vermieden und positive bevorzugt werden. Das Risikopotential ist genau das gleiche wie bei der natürlichen Mutation (z.B. wenn Gene falsch verstanden werden, sind die Ergebnisse auch wieder zufällig und so meistens schlecht). Allerdings sind die Chancen auf Verbesserungen viel höher. Man kann Genmanipulation als eine kontrollierte, beschleunigte Evolution verstehen. Nicht verschweigen möchte ich natürlich die Gefahren des Mißbrauchs, aber dazu kommen ich gleich zwei Absätze später. Natur- und ArtenschutzDieser ethische Gedanke ist in der christlich geprägten Welt relative jung. In der Bibel steht "Macht euch die Erde untertan", was zu der Auffassung führte, Ressourcen der Natur können wir ohne Einschränkung und Rücksicht auf Verluste für uns in Anspruch nehmen. Andere Völker haben da zum Teil ganz andere Vorstellung. So sind andere Kulturen weniger überheblich und halten nicht nur die menschliche Schöpfung für respektbedürftig, sondern auch andere Lebewesen. Bei uns ist der Natur- und Artenschutz zunächst auch aus rein egoistischen Zielen geboren. Irgend jemandem ist aufgefallen, das man eine Kuh nicht mehr melken kann, nachdem man sie geschlachtet hat. Nachdem die Weltbevölkerung in den letzten 100 Jahren explosionsartig angestiegen ist, wurde klar, dass wir Ressourcen schneller verbrauchen, als sie sich neu bilden. Erst als die Natur durch den Trend des Wohnens in Großstädten zu einem Freizeitgut wurde, kam auch eine emotionelle Komponente und der Artenschutz zum Naturschutz hinzu. Wichtig zu beachten bei der Entwicklung des ethischen Schutzes der Natur ist, dass diese Entwicklung ausschließlich durch egoistische Ziele der Menschen gesteuert wird. Solange die Natur im Überfluß verfügbar war, wurde sie auch nicht geschützt. Verzicht auf potentiell gefährliche TechnologienDieser ethische Grundsatz wird wohl erst seit dem zwanzigsten Jahrhundert gefordert, da erst in der jüngeren Vergangenheit Techniken entwicklet worden sind, die der Menschheit die Selbstzerstörung ermöglichen. Sie wird aber auch gefordert, um Ängste aufgrund unseres konservativen Charakters zu befriedigen. Diese Notwendigkeit ergibt sich nicht immer aus einer potentiellen Bedrohung einer Entwicklung, sondern auch einfach aus unserer instinktiven Ablehnung von Unbekanntem und Neuem, vor allen Dingen, bei der derzeit sehr schnellen technischen Entwicklung. Menschen suchen nach Mechanismen, die Entwicklung zu bremsen, um selbst mit ihr schritthalten zu können. Ich halte die Durchsetzung einer solchen ethischen Schranke aber für illusorisch. Einer der Kerneigenschaften des Menschen ist die Neugier. Die Konfrontation mit einem elementaren Instinkt von Menschen bedarf ständigem Druck oder gar Gewalt. Wie schon erwähnt meine ich, eine Gesellschaft sollte im Einklang mit den charakterlichen Eigenschaften des Menschen stehen, und nicht versuchen, diese zu bekämpfen. Ein solcher ethische Verzicht würde eventuelle Gefahren ohnehin nicht bannen. So könnte man z.B. fordern, kein Land dieser Erde soll Atomwaffen herstellen oder besitzen. Motivation kann doch nur sein, uns vor der Anwendung solcher Waffen zu schützen. Aber würde sich denn ein Krimineller wie z.B. ein wild gewordener Diktator oder ein Terrorist an ein solches Verbot halten? Nein. Aber nur von solchen Kandidaten geht überhaupt eine Gefahr aus. Völker, die z.B. die Menschenrechte anerkennen, würden solche Waffen höchsten zur Selbstverteidigung einsetzen, wenn sie mit ähnlich schweren Waffen bedroht werden. Wenn ihnen aber die Möglichkeit der Abschreckung genommen wird, steigt die Gefahr durch Kriminelle noch weiter an. Also wo wäre da der Gewinn? Jede Technologie kann von Kriminellen mißbraucht werden, z.B. auch ein Brotmesser. Ein Verbot würde diese nicht treffen, erhöht also nicht die Sicherheit. Alle konstruktiven Nutzungsmöglichkeit würde man aber sehr wohl unterbinden (und ich würde ungern auf ein Messer zum Schneiden von Brot verzichten). Auch die schon angesprochene Gentechnik könnte von Kriminellen mißbraucht werden. So wäre z.B. die Entwicklung von besonders gefährlichen Krankheitserregern denkbar. Deshalb aber die gesamte Technologie zu verteufeln (und z.B. Krebskranke in den nunmehr vermeidbaren Tod zu schicken) heißt, über das Ziel hinauszuschiessen. Vielmehr sollten (wie auch bei der Verwendung von Brotmessern) Gesetze geschaffen werden, die definieren, was ein Mißbrauch ist. Es ist dann Aufgabe der Justiz deren Einhaltung zu überwachen. Sinnvolle Nutzungen werden dadurch aber nicht eingeschränkt. Es hat sich übrigens auch gezeigt, dass man nicht ohne weiteres vom menschlichen Umgang mit alten Technologien auf sein Verhalten mit Folgetechnologien schliessen kann. So waren regionale Kriege als außenpolitisches Mittel zu Zeiten von Schwertern und Schwarzpulver gesellschaftlich völlig akzeptiert. Im Zeitalter der Atombombe hat sich das aber grundsätzlich geändert. Es ist eben nicht richtig zu behaupten, ein Volk, das mit Schwertern gern und oft Krieg geführt hat, wird dies mit Atombomben genauso weitermachen. Erforschung der Entstehung des UniversumsDies ist natürlich kein ernsthaft diskutiertes ethisches Problem; ich fand es aber ganz amüsant. In dem Buch "Eine kurz Geschichte der Zeit" schreibt Stephen Hawkings, er nahm an einer Konferenz über die Enstehung des Universums teil. Diese Konferenz fand im Vatikan statt und der Papst gewährte den Wissenschaftlers eine Audienz. Er belehrte seine Besucher, dass gegen die Erforschung der Entwicklung des Universums nichts einzuwenden sei. Die Enstehung selbst, allerdings, sei tabu, und kein Mensch solle versuchen, diese zu verstehen, da dies eine Schöpfung Gottes war, die nicht von Menschen ergründet werden kann. Nun, lieber Papst, wenn denn diese Schöpfung von Menschen nicht ergründet werden kann, warum sollen es die Wissenschaftler nicht trotzdem versuchen? Wenn der Papst recht hat, dann werden sich die Wissenschaftler an der Entstehung des Universums nur die Zähne ausbeißen und irgendwann aufgeben. Das wäre doch eine prima Bestätigung der göttlichen Schöpfung. Wenn man die Forschung auf diesem Gebiet aber einfach per Tabu unterbinden möchte, legt das doch eher den Schluß nahe, dass einem das Ergebnis (oder auch nur die Existenz eines Ergebnisses) eventuell nicht in den Kram passen könnte. FamilieFür mich war der Entschluß eine Familie zu Gründen einer der wichtigsten, und - im Gegensatz zu vielen Fällen in der Generation meiner Eltern - gut überlegt. Der Mensch ist eine Wesen, welches sich von Natur aus nur in Gesellschaft wohl fühlt. Das Single-Dasein erfreut sich zwar seit einigen Jahren großer Beliebtheit; ich bezweifele aber, ob das wirklich die optimale Lebensweise ist. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, Einzelgänger leben allein, weil sie Probleme im Umgang mit anderen Menschen haben. Andere sehen eventuell einen Vorteil darin, keine Rücksicht auf Mitmenschen nehmen zu müssen, um sich so besser auf ihre Karriere oder andere Spielarten der Selbstverwirklichung konzentrieren zu können. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass intensiv ausgelebter Egoismus langfristig den Wunsch nach Geborgenheit und Nachkommen ersetzen kann. Andere Modelle der Zusammenlebens wie z.B. die Wohngemeinschaften der 60er Jahre kann man wohl getrost als komplett gescheitert betrachten. Es ist nunmal naiv zu glauben, man könne im zarten Alter von ca. 20 Jahren ein funktionierendes Gesellschaftsmodell entwickeln, das dann auch noch besser sei, als das bestehende, das sich über viele Tausend Jahre entwickelt und bewährt hat. Gleichberechtigung von Mann und FrauIch bin vehementer Befürworter jeglicher Gleichberechtigung der Geschlechter, solange diese praktikabel ist. Ich höre schon den Aufschrei vieler Feministinnen beim Lesen des Zusatzes "solange diese praktikabel ist". Tatsache ist allerdings: Mann und Frau sind nicht gleich! Vollständige Gleichberechtigung würde bedeuten, Männer gebären Kinder und Frauen laufen mit einem Penis durch die Gegend. Derartige Gleichberechtigung ist offensichtlicher Quatsch, aber ich habe das Gefühl, dass einige fanatische Feministinnen genau so etwas wollen. Männer und Frauen werden immer in solchen Bereichen andere Rollen einnehmen, in denen ihre biologischen Unterschiede eine Rolle spielen. Beispiel: Ein Kind wird nunmal im Bauch einer Frau gezeugt und entwickelt sich dort bis zu seiner Geburt. Es ist ganz natürlich, dass sich hierdurch eine stärkere Mutter-Kind- als eine Vater-Kind-Beziehung entwickelt. Nicht zuletzt die Tatsache, dass nur eine Frau ein Kind säugen kann (was ja in den ersten Lebenswochen alle paar Stunden notwendig ist), prädestiniert die Frau z.B. zur Kindererziehung. Natürlich können im Einzelnen gute Gründe dafür sprechen, den Vater die Kinderbetreuung durchführen zu lassen, aber der Regelfall wird dies nie sein. Frauen sind hierfür einfach biologisch besser geeignet. Ähnlich verhält es sich bei Aufgaben, die z.B. großer körperlicher Kraft bedürfen. Da Männer nun einmal größer und stärker sind, werden sie meist solche Tätigkeiten bevorzugt ausüben. Es sind allerdings nicht nur körperliche Unterschiede. Die Evolution hat Männlein und Weiblein auch kleine Unterschiede bei den geistigen Anlagen mit auf den Weg gegeben. Diese sind wohl in der Regel als Folge aus den körperlichen Unterschieden entstanden. Bei unseren Verwandten, den Säugetieren, ist es ganz normal, dass die Geschlechter unterschiedliche Rollen einnehmen. Es braucht uns also nicht zu verwundern, wenn die Geschlechter auch etwas unterschiedliche Instinkte mit auf den Weg bekommen haben. So wurde z.B. festgestellt, dass Männer über einen besseren Orientierungssinn als Frauen verfügen. Eine Erklärung hierfür könnte das Rollenverhalten unserer Vorfahren sein: während sich die Mutter um die Kinder kümmert und sich nur wenig vom Ort weg bewegt, muß der Vater längere Strecken zurücklegen, um Nahrung zu beschaffen. Ein anderer Unterschied ist das Sexualverhalten, auch aufgrund biologischer Unterschiede: Frauen können maximal alle 9 Monate ein Kind gebären, Männer könne aber jeden Tag ein Kind (oder auch mehr) zeugen. Unser Fortpflanzungstrieb treibt uns dazu, diese Potentiale so gut wie möglich zu nutzen. Männer haben daher einen aggressiveren Sexualtrieb. Sie sind auch allgemein aggressiver, da sie durch ihre größere körperliche Kraft eher Verteidigungsrollen einer Gemeinschaft übernommen haben. An Feministinnen hat mich oft gestört, dass als Mittel zur Erlangung von Gleichberechtigung Diskriminierung eingesetzt werden soll. Ziel soll doch sein, dass für die Beurteilung einer Eignung für eine bestimmte Aufgabe nicht das Geschlecht herangezogen wird. Allerdings werden z.B. Quotenfrauen gefordert. Dies bedeutet nichts anderes, als in einem Auswahlprozess das Kriterium "Geschlecht" neu aufzunehmen. Ich finde das absurd. Das Gegenteil vom gesteckten Ziel wird erreicht. Das Ergebnis wären Quotenfrauen, denen eine Aufgabe übertragen wurde, obwohl andere Menschen (Männer) mit besserer Eignung verfügbar waren, aber nur aufgrund ihres Geschlechts abgelehnt worden sind. Das ist ein klassischer Fall von Diskriminierung! Ich bin allerdings gegen Diskriminierung und somit gegen derartigen Unsinn. Genauso absurd ist die Bekämpfung von Sprachkonventionen. Es mag wohl sein, dass einige Sprachkonventionen aus unterschiedlichem Rollenverhalten von Mann und Frauen entstanden sind, aber in der Regel haben sie diesen Zweck heute nicht mehr. So gibt es z.B. die Berufsbezeichnung "der Lehrer" (männlich). Frauen haben sich in diesem Berufszweig aber schon seit vielen Generationen gut etabliert. Die Annahme, Frauen werden in dieser Profession aufgrund der männlichen Berufsbezeichnung diskriminiert, ist offensichtlich Unsinn. Gleichberechtigung, solange praktikabel, bedeutet, dass bei gleicher Eignung das Geschlecht nicht als Kriterium für die Eignung für eine Tätigkeit herangezogen wird. Gleichberechtigung, bedeutet aber auch, dass aufgrund der biologischen Unterschiede gewisse gesellschaftliche Aufgaben immer bevorzugt von Männern oder Frauen ausgeübt werden. Ich kann daran nichts Schlimmes erkennen. Ein wesentlicher Grund für den Aufstieg des Menschen ist seine Fähigkeit, Abläufe zu organisieren, insbesondere durch Delegieren und Arbeitsteilung. Warum sollen die Aufgaben nicht so verteilt werden, dass die Fähigkeiten der einzelnen Menschen jeweils optimal genutzt werden? Ich kann in unserer Gesellschaft kaum noch eine Diskriminierung von Frauen erkennen. Wahr ist wohl, dass sich Frauen für viele Berufszweige nur wenig interessieren, aber das liegt an den Frauen selbst. Dass eine Frau bei einer Stellenbesetzung bei gleicher Eignung wie ein Mann nur aufgrund ihres Geschlechts abgelehnt wird, ist wohl inzwischen eher die Ausnahme. Wenn sie stattfindet, dann aufgrund von juristischen Ungleichbehandlungen (z.B. Mutterschutz). Arbeitgeber können es durchaus verschmerzen, eine Arbeitskraft aufgrund einer Schwangerschaft zu verlieren, aber jahrelang Folgekosten zu tragen eben nicht. Die Diskriminierung ist also bestenfalls oberflächlich betrachtet geschlechtlich; sie ist eigentlich wirtschaftlicher Natur. Bei Männern kann man übrigens genau das gleiche Phänomen beobachten, wahrscheinlich sogar mit mehr offener Diskriminierung als bei Frauen. Wie wird z.B. auf die Bewerbung eines Mannes auf eine Stelle als Sekretärin oder Haushaltshilfe reagiert? Ich habe zwar schon von einer männlichen Hebamme gehört, der Gute klagte aber auch über Akzeptanzprobleme bei der Kundschaft. Übrigens gibt es bei diesen Berufsbeispielen keine biologischen Vorteile für Frauen, es handelt sich also um reine geschlechtsspezifische Diskriminierung. Ich würde daraus schliessen, dass das Problem nicht eigentlich eine Diskriminierung gegen Frauen ist. Vielmehr ist es einmal wieder unser konservativer Charakter, der Gewohntes bevorzugt. Wenn in einem Beruf (aus welchen Gründen auch immer) eine bestimmtes Geschlecht dominiert, dann gehen wir (also alle Menschen, Frauen und Männer) automatisch davon aus, dass auch in Zukunft Mitglieder diesen Geschlechts diesen Beruf ausfüllen werden. Der Anschein einer Frauendiskriminierung entsteht dadurch, dass Frauen in den letzten Jahrzehnten besonders viele neue Berufe für sich entdeckt haben, zumindest mehr als Männer. RassismusRassismus ist eine umittelbare Folge aus unserem konservativen Charakter. Menschen (wie alles andere auch), die fremd sind, sind uns zunächst einmal suspekt. Sowohl äußerliche Merkmale wie z.B. die Hautfarbe, aber auch kulturelle Unterschiede, spielen dabei eine Rolle. Je unterschiedlicher die Menschen sind, desto stärker ist die Antipathie. Als weiterer Faktor kommt unser Materialismus hinzu. Reiche Völker fürchten, Arme könnten ihnen etwas wegnehmen. Es ist also zu beachten, dass sich Rassismus unmittelbar aus den Charaktereigenschaften des Menschen ergeben. Da eine Gesellschaft nur Erfolg haben kann, wenn sie den Menschen akzeptiert, so wie er ist, kann sie sich nur darauf beschränken, Rassismus als Phänomen zu akzeptieren, und sich daraus ergebene Konflikte zu minimieren oder zu vermeiden. Ein Blick in die Geschichte oder in andere Erdteile wird diese These leicht bestätigen. Eine wirklich multikulurelle Gesellschaft hat es nie gegeben, und kann es meiner Meinung nach auch nie geben, obwohl es an Versuchen sicherlich nicht gemangelt hat. Menschen haben sich immer in Volksgruppen zusammengeschlossen, die aus einer einzigen Rasse und einer gemeinsamen Kultur bestanden. Ein solche Gruppe kann aus einem Clan bestehend, aus nur einer oder wenigen Großfamilien oder ein Volk von vielen Millionen Menschen sein. Solche Volksgruppen hatten immer das bestreben, sich von anderen Völkern abzugrenzen. Selbst eine räumliche Vermischung von Völkern über viele Generationen kann diese Schranken nicht aufheben (siehe die USA, Sowjetunion oder Jugoslawien). Auf der anderen Seite läßt sich beobachten, dass der Grad der Ablehnung von Fremden unmittelbar vom Grad ihres Andersseins abhängt. So werden z.B. Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis wie dem Islam ganz anders in Deutschland aufgenommen als z.B. Menschen aus unseren westeuropäischen Nachbarländern. Auch innerhalb der Europäer gibt es große Unterschiede. So ist z.B. ein Franzose äußerlich nicht von einem Deutschen zu unterscheiden, und auch die kulturellen Unterschiede sind so gering, dass sie in der Regel keine rassistischen Gefühle auslösen. Die multikulturelle Gesellschaft sollte aus den genannten Gründen keine politisches Ziel sein, da sie auf eine Gesellschaft destabilisierend wirkt. Menschen, die über ihre Schmerzgrenze hinaus mit Fremden konfrontiert werden, werden aggressiv. SozialismusDer Sozialismus (wie auch die in den folgenden Abschnitten beschriebenen Systeme Martkwirtschaft und sozial Marktwirtschaft) ist in erster Linie eine Wirtschaftsordnung. Allerdings hat die Wirtschaftsordnung einen elementaren Einfluß auf alle Bereiche einer Gesellschaft. Mann kann also davon ausgehen, dass die Wahl einer Wirtschaftsordnung letztendlich die wesentlichen Teile einer gesellschaftlichen Grundordnung definiert oder zumindest stark beeinflußt. Der Sozialismus war mit Sicherheit das herausragende Experiment des zwanzigsten Jahrhunderts. Dieses Experiment ist eindeutig gescheitert, und ich bin der Meinung, das Scheitern war ohne weiteres vorhersehbar. Die Theorien von Marx und Engels klingen zwar ganz nett, aber sie haben einen fundamentalen Aspekt vergessen: den Menschen! Der Sozialismus steht im krassen Widerspruch zu mehreren elementaren, von mir bereits oft zitierten Eigenschaften des Menschen. Insbesondere wären zu erwähnen: Egoismus, Materialismus und Machtgier. Marx und Engels haben versäumt zu erwähnen, dass man zunächst einen neuen Menschentyp kreieren muß, damit der Sozialismus funktioniert. Ein paar einfache Beispiele: Persönliches EigentumDer Mensch ist Materialist. Der Sozialismus möchte persönliches Eigentum stark einschränken oder gar ganz abschaffen. Menschen sind Materialisten und wollen nun einmal persönliches Eigentum ansammeln. Der Sozialismus möchte, dass Menschen für das Gemeinwohl arbeiten, und nicht für sich selbst. Ein Egoist (also jeder Mensch) will dies allerdings nicht. Klassenlose GesellschaftDer Mensch ist machtgierig. Dem Streben nach Macht können die Menschen im Sozialismus nicht nachgehen (z.B. Macht durch Reichtum), zumindest in der Theorie nicht. Alle Proletarier, ob nun Bauer oder Arbeiter, sind alle gleich machtlos. Entkopplung von Leistung und persönlichem EinkommenDer Mensch ist faul. Aus Sicht des Materialisten ist es frustrierend, dass man sein Einkommen nicht durch mehr Leistung steigern kann. Der Faule wird allerdings zunächst seine Freude daran haben: Er kann seiner Faulheit freien Lauf lassen und seine Leistung beliebig stark reduzieren. Ärgerlich ist nur, dass selbst der Sozialismus langfristig nur das Geld verteilen kann, dass durch Leistung erwirtschaftet wird. Wenn also viele Genossen mehr verdienen als sie leisten, geht der Sozialismus Pleite (wie in allen real existierenden sozialistischen Staaten zu beobachten war bzw. ist). Die Konsequenz aus diesen (und anderen) Fehlern der Theorie ist, dass die Menschen den Sozialismus nicht wollen. Da ihn aber eine kleine Minderheit von Fanatikern trotzdem will, geht es nur mit Gewalt, gegen den Willen derer, die Marx und Engels eigentlich als Zielgruppe im Auge hatten. Diese Gewalt wiederum macht ein paar Modifikationen an der reinen Theorie notwendig: man braucht einen starken repressiven Staatsapparat, der die Menschen zwingt, sich nicht dem Sozialismus zu entziehen (entweder durch Vermeidung, Ausreise, Flucht oder durch einfaches nicht sozialistisches Verhalten wie z.B. Aufbau einer privaten Schattenwirtschaft). Diese notwendigen Modifikationen der sozialistischen Lehre sind in sofern besonders interessant, weil sie für die Fanatiker nun doch wieder erlauben, ihren menschlichen Trieben wie Egoismus, Materialismus und Machtgier nachzugehen. Durch die Repression werden Machtpositionen notwendig, und eine herausgehobene Klasse von Menschen muß geschaffen werden, um die klassenlose Gesellschaft unter Kontrolle zu halten. Sobald Macht erreicht worden ist, ist die Befriedigung von Materialismus eine leicht verständliche Entwicklung. Dass das oben beschriebene so uneingeschränkt zutrifft, läßt sich unschwer an Erfahrungen des real existierenden Sozialismus nachprüfen. Kein sozialistisches Land hatte je eine Demokratie, da diese ja zur Abwahl des Sozialismus geführt hätte. Es wurde immer ein Repressionsapparat installiert, da ein Volk nicht freiwillig im Sozialismus leben möchte. Auch die Existenz einer zweiten, privilegierten Klasse (die als einzige vom Sozialismus profitiert, da sie sich selbst nicht den sozialistischen Regeln unterwirft) war immer zu beobachten. Dass Menschen nicht im Sozialismus leben wollen, läßt sich auch leicht daran ablesen, dass viele ihr Leben auf’s Spiel gesetzt haben, nur um den Sozialismus zu entrinnen. Ich muß ehrlich gestehen, dass es nicht besonders schwierig ist, zu erkennen, warum der Sozialismus zum Scheitern verurteilt ist. Man braucht heute, am Ende der zwanzigsten Jahrhundert, auch nicht mehr darüber zu spekulieren. Alle Versuche sind gescheitert. Ich brauche kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass es Kuba und Nord Korea auch nicht mehr lange machen. Auch der Erfolg von Chinas Weg der zwei Systeme erscheint mir höchst zweifelhaft. Im günstigsten Fall wird es einen schleichenden Prozess geben, in dem die Marktwirtschaft langsam aber sicher die gesamte Wirtschaft übernimmt. Trotz dieser einfachen Erkenntnisse schwirrt der Sozialismus immernoch in vielen westeuropäischen Köpfen herum. Diese Menschen sind offensichtlich nicht in der Lage, die grundlegenden Fehler der Theorie zu verstehen. Noch gravierender ist, dass sie auch aus dem massenhaften Scheitern der sozialistischen Länder der Welt nichts lernen. Der Sozialist als HeuchlerNatürlich gibt es in meinem Bekanntenkreis einige Leute, die mit dem Sozialismus sympathisieren. Interessant fand ich einige Ansichten dieser Sozialisten, die eigentlich im Widerspruch zum Sozialismus stehen. Da diese Ansichten aber immer wieder zu beobachten sind, kann man aus diesem Phänomen vielleicht etwas lernen. Nebenbei bemerkt verfügen die meisten meiner sozialistischen Bekannten über ein überdurchschnittliches Einkommen und auch über ein relativ gutes Bildungsniveau. Viele Sozialisten bemängeln (meiner Meinung nach durchaus zurecht), dass sich unsere Gesellschaft im zunehmended Maße zu einer Ellenbogengesellschaft entwickelt. Was allerdings nicht ins Bild paßt, ist die daraus gezogene Schlußfolgerung, selbst die Ellenbogen ausfahren zu müssen. Beispiele sind eine besonders schlechte Steuermoral oder die Bereitschaft, sich soziale Leistungen, auf die man eigentlich keinen Anspruch hat, zu erschleichen. Viele Sozialisten haben keine Skrupel, massiv Steuern zu hinterziehen oder sonst wie den Staat (also seine Nachbarn, Freunde und sonstigen Mitbürger) zu betrügen und zu bestehlen. Ich möchte in keiner Weise behaupten, dass nur politisch links-orientierte Bürger Steuern hinterziehen, aber es entspricht nun einmal meinem sicherlich begrenzt großen Erfahrungsschatz, dass Sozialisten eine höhere moralische Bereitschaft dazu zeigen. Wie ist dieses Verhalten mit den Lehren von Marx zu vereinbaren? Fordert der Sozialismus nicht Solidarität mit Schwächeren (also z.B. Umverteilung durch Steuern)? Fordert er nicht, dass das Streben nach persönlichem Reichtum den Interessen der Gesellschaft unterzuordnen ist? Müßte nicht eigentlich der besserverdienende Sozialist mit großer Freude hohe Steuersätze zahlen, da er doch damit aktiv die Lehren Marxs und Engels umsetzt? Oder ist der Sozialist vielleicht nur deshalb Sozialist, weil er glaubt sich durch den Staat bereichern zu können? Es scheint tatsächlich so zu sein, dass sich Sozialisten (selbst wenn sie mehrere hunderdtausend DM pro Jahr verdienen) Leistungen von einem sozialistischen Staat erhoffen. MarktwirtschaftDie Marktwirtschaft stellt in vielerlei Hinsicht das genau Gegenteil zum Sozialismus dar. Die wichtigsten Unterschiede sind: die Marktwirtschaft befindet sich im Einklang mit der Eigenschaften des Menschen, und sie beruht nicht auf einer abstrakten Theorie, die sich jemand ausgedacht hat. Vielmehr ist die Marktwirtschaft die Wirtschaftsordnung, nach der die Natur funktioniert: Angebot und Nachfrage (oder auch Fressen und Gefressen werden). Nach diesem Prinzip funktioniert auch die Evolution, die uns hervorgebracht hat. Der Markt reguliert sich völlig automatisch, ohne dass eine aufzwingende Ordnung wie im Sozialismus notwendig ist. In der Natur, z.B. vermehren sich Lebewesen besonders stark, wenn ihr Angebot an Nahrung besonders groß ist. Durch die wachsende Anzahl der Artgenossen wird dann das Nahrungsangebot stärker nachgefragt und somit wieder reduziert. Es stellt sich also schnell und von selbst ein Gleichgewicht ein. Bei Gütern, die der Mensch herstellt und verbraucht, verhält es sich exakt genauso. Wie gut der Markt als Regulator funktioniert wird besonders deutlich, wenn man die Konsequenzen beobachtet, die durch Ausschalten des Marktes entstehen. Nehmen wir als Beispiel die Agrarsubventionen der europäischen Union. Die Union schreibt die Erzeugerpreise fest. Dadurch werden Angebot und Nachfrage entkoppelt. Die Bauern bekommen immer den gleichen Preis für ihre Ware, egal ob es jemanden gibt, der sie auch nachfragt (also essen möchte). Das Resultat ist katastrophal: Während in anderen Teilen der Welt Menschen an Hunger sterben, wird bei uns die unweigerliche Überproduktion auf Müllhalden entsorgt. Ein anderes Beispiel wäre der Arbeitsmarkt in Deutschland. Ein nicht regulierter Markt würde bedeuten, dass Firmen Arbeitskräfte einstellen, wenn Bedarf besteht, und entlassen würden, wenn der Bedarf zurückgeht. Da aber die Kündigung vom Gesetzgeber stark eingeschränkt wird, funktioniert dieser Regulator nicht mehr. Firmen können zwar einstellen, aber im Falle einer Rezession würden die Firmen aufgrund der nicht zu senkenden Personalkosten Pleite gehen. Das Resultat ist, dass auch bei Bedarf keine zusätzlichen Arbeitskräfte eingestellt werden, sondern Überstunden oder Outsourceing eingesetzt wird. Das Stören des Marktes führt also unmittelbar zu höherer Arbeitslosigkeit. Beispiele für Fehlentwicklungen aufgrund eines eingeschränkten Marktes gibt es leider sehr viele. Man kann eigentlich feststellen, immer wenn der Markt gestört wird, geht es schief. Beispiele sind vor allen Dingen Subventionen jeglicher Art, Preisbindungen, Beschränkungen der Vertragsgestaltung (z.B. Vertragskündigungen), Entkopplung von Leistung und Entlohnung (z.B, Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall), etc. Die Marktwirtschaft ist eigentlich ein Naturgesetz. Menschen (wie alle anderen Lebewesen auch) verhalten sich nach ihr ganz automatisch, ohne dass sie jemand dazu auffordern müßte. Jeder, der einer Gesellschaft eine andere Wirtschaftsordnung empfehlen möchte, muß sich darüber im klaren sein, dass er Menschen dazu bewegen muß, gegen ihre Instinkte zu handeln. Der Sozialismus steht in so krassem Gegensatz zu diesen Instinkten, dass das eigentlich nur durch Gewalt geht. Meiner Meinung nach kommt daher nur eine Wirtschaftsordnung in Frage, die im Kern eine Marktwirtschaft ist, in die bestenfalls im Detail korrigierend eingegriffen werden darf. Solche Eingriffe müssen nachvollziehbar vernünftig sein, damit sie von einer Gesellschaft mitgetragen werden, denn solche Eingriffe gehen uns letztendlich gegen den Strich. Soziale MarktwirtschaftDie soziale Marktwirtschaft ist genau ein solches Model. Sie ist nicht etwa ein Kompromiß aus Sozialismus und Marktwirtschaft, sondern eine Marktwirtschaft mit einigen sozialen Einschränkungen. Diese Einschränkungen dürfen allerdings das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage nicht in Frage stellen, es handelt sich dabei nur um kleine Korrekturen. Wozu benötigen wir eigentliche eine soziale Komponente, wo doch die reine Marktwirtschaft im Einklang mit unserem Charakter steht? Das hängt wohl mit unserem sekundären Charakterzug "Solidarität" zusammen. Eine Konsequenz aus unserer "Solidarität" ist ein ethischer Gedanke, schwachen Menschen zu helfen. Wohlgemerkt, es ist eine sekundäre Eigenschaft, die uns nur unterstützen soll, primäre Ziele wie Fortpflanzung, Materialismus, Egoismus, etc. besser zu verwirklichen. Ich vermute, Solidarität und die Unterstützung Schwacher (die ja im Widerspruch zu unserem Egoismus und Materialismus steht) haben letztendlich rein egoistische Wurzeln. Indem wir materiell schwache Mitmenschen nicht zu tief sinken lassen, schützen sich die Starken vor der potentiellen Aggression von Menschen in Not, in dem sie die Not verhindern oder zumindest lindern. Sobald in einer Gesellschaft ein ethischer Grundkonsens besteht, Schwachen zu helfen, kann eine soziale Marktwirtschaft etabliert werden. Eigentlich bedarf es nur eines kleinen Eingriffs: Steuern bzw. Abgaben müssen erhoben werden, die dann an Schwache verteilt werden, die für dieses Geld keine Leistung erbringen müssen, wie es sonst üblich ist. Wie unschwer zu erraten ist, halte ich die soziale Marktwirtschaft für die Wirtschaftsordnung mit dem besten Erfolgspotential. Sie erlaubt es, Menschen relativ frei leben zu lassen. Die durch eine Staatsmacht durchzusetzenden Eingriffe in die persönliche Freiheit sind klein genug und gut genug begründbar, dass sie durchsetzbar sein sollten. Es gibt aber ein paar Probleme. Wie groß dürfen die Eingriffe des Staates sein? Wie wird "Schwach" definiert? Wieviel Hilfe steht einem Schwachen zu? Eine inkompetente Beantwortung dieser Fragen kann dazu führen, dass das ganze Konzept der sozialen Marktwirtschaft nicht mehr funktioniert. Leider haben wir in der westlichen Welt mit diesem Problem erheblich zu kämpfen. In vielen Ländern wird über das Ziel hinausgeschossen. Wenn ca. die Hälfte eines der reichsten Völker als "Schwach" (also zu Leistungsempfängern) erklärt wird, dann stimmt da etwas nicht. Man muß immer daran denken, warum Menschen handeln: Fortpflanzung, Materialismus, Egoismus, Machtgier, etc. Die Marktwirtschaft unterstützt dies, nicht jedoch die sozialen Einschränkungen. Wenn aber die Marktwirtschaft immer stärker eingeschränkt wird, funktioniert sie nicht mehr, und der gesellschaftliche Konsens für die sozialen Komponenten geht verloren. Beispiele: Steuersätze von bis zu 68%; durch die Allgemeinheit finanzierte Einkommen von "Schwachen", die über denen von nicht Schwachen (also Leistungserbringern) liegen; ungerechte (weil nicht marktgerechte) Verteilung von Chancen (z.B. der fleißige Arbeitslose neidet zu recht dem Faulen seinen praktisch unkündbaren Arbeitsplatz), etc. Auch muß man sich im klaren darüber sein, welche Konsequenzen die Einschränkungen vom Markt mit sich bringen. Menschen, die im Markt agieren, befriedigen Nachfrage. Sie tun dies so effizient wie möglich, da es dabei um ihre eigenen Interessen geht. Der große Erfolg der Marktwirtschaft liegt darin, dass das Verfolgen von egoistischen Zielen gleichzeitig auch der Gesellschaft dient (man verdient Geld für sich selbst, indem man eine Nachfrage der Gesellschaft befriedigt). Wenn aber z.B. Aufgaben nicht mehr privatwirtschaftlich erledigt werden, bleibt der Egoismus, aber die Kopplung an die Nachfrage geht verloren. Es wird dann nicht mehr im Sinne der Gesellschaft gewirtschaftet (siehe Agrarmarkt oder Sozialismus). DiktaturDiese Staatsform war in der Geschichte der Menschheit mit Abstand die am meisten verwendete. Obwohl schon die Griechen in der Antike mit der Demokratie experimentiert haben, kam der Durchbruch doch wohl erst durch die erfolgreiche Anwendung in einem großen, mächtigen Land wie den USA vor gut 200 Jahren. Die Diktatur ist theoretisch die beste Staatsform. Die Führung besteht aus Profis und ist völlig frei, langfristig richtige Entscheidungen zu treffen und sie wird nicht einem kurzfristigen Meinungsbild von Leihen unterworfen. Die Sache hat aber leider ein paar Haken: MachtmißbrauchDie Führung (also der oder die Diktatoren) können ihre unvermeidbare Macht einsetzen, um persönliche Ziele zu verfolgen. Dies allein ist nichts Schlimmes und auch ganz natürlich. Problematisch wird es, wenn diese egoistischen Ziele auf Kosten von Zielen des regierten Volkes erreicht werden. So ein Mißbrauch kann leider nicht ausgeschlossen werden, da es keine Kontrollinstanzen und keine Sanktionen für die Machthaber gibt. Unter diesem Problem mußten und müssen viele Völker leiden. Inkompetenz des DiktatorsDas kommt auch vor, aber ich glaube seltener als man denken könnte. Ein Diktator hat ja jede Menge Zeit, sich um seine Aufgabe zu kümmern und kann sich schlau machen, Experten beschäftigen, etc. Allerdings kann politischer Fanatismus zu Inkompetenz führen (z.B. Fidel Castro). Auch ein Mangel der geistigen Fähigkeiten kann ein Problem werden, besonders bei ererbten Ämtern. Frust der RegiertenDie Machtgier der Untertanen wird eingeschränkt. So kann man auch nicht unter dem besten Diktator erwarten, dass immer alle Mitglieder eines Volkes die gleiche Meinung haben. Menschen, deren Meinung kein Gehör bei den politischen Entscheidungen finden, könnten aggressiv (z.B. durch Revolution, Terrorismus) reagieren. In einer Demokratie hätten sie zumindest die juristische Möglichkeit, Einfluß zu nehmen. DemokratieDie drei aufgeführten Probleme der Diktatur hat die Demokratie nicht. Eine machtmißbrauchende oder inkompetente Regierung kann abgewählt werden. Als Ventil für frustrierte Regierte dient die Möglichkeit, selbst politisch zu agieren oder politische Entscheidung durch Gerichte anfechten zu können. Andere Probleme sind aber ebenfalls gravierend und nicht von der Hand zu weisen: Inkompetenz des SouveränEine Prämisse einer Demokratie ist, dass der Wähler in der Lage ist, die gesellschaftlichen Probleme zu verstehen und Lösungsvorschläge zu beurteilen. Diese Grundvoraussetzung ist meiner Meinung nach in unserer Gesellschaft nicht gegeben. Das benötigte Regelwerk einer Gesellschaft (unsere Gesetzbücher) haben einen enormen Umfang. Können Menschen mit durchschnittlicher Bildung und oft nur mäßigem Interesse das alles Überblicken? Können solche Menschen die Einzelheiten einer sozialen Marktwirtschaft verstehen? Ich kann mir das nicht vorstellen. Ein gutes Indiz für das Zutreffen meiner Zweifel sind regelmäßig veröffentlichte Meinungsumfragen zu aktuellen politischen Fragen. Es zeigt sich immer wieder, dass eine Mehrheit der Befragten aufgrund von Emotionen (z.B. Sympathie oder Antipathie zu einzelnen Politikern) Sachfragen beurteilen. Politiker stellen sich in ihren Wahlkampfstrategien auf diese Inkompetenz gezielt ein. So haben sie festgestellt, dass ein Wahlkampf, der vorwiegend mit Sachargumenten geführt wird, zu weniger Stimmen führt, als wenn sie sich ganz auf Emotionen konzentriert. Dieser Trend war zunächst in den USA besonders deutlich zu erkennen, wurde aber schnell auch von Europäern übernommen. Zur Wahl stehende Politiker achten in erster Linie darauf, dass sie sympathisch wirken und positive Gefühle wie Glück, Sicherheit, Wohlstand, etc. vermitteln. Auch wird viel Energie darauf verwandt, den politischen Gegner im gegenteiligen Licht erscheinen zu lassen. Konkrete Aussagen zu Sachfragen nehmen in Wahlkämpfen einen immer kleineren Raum ein. In Wahlwerbung im Fernsehen oder auf Plakaten, z.B., fehlen sie ganz. Ich meine, eine so komplexe Gesellschaft läßt sich nur von Menschen überblicken, die eine überdurchschnittliche Bildung durchlaufen haben, sich aktiv mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen und viel Zeit in diese Auseinandersetzung investieren. Diese Voraussetzungen werden aber nur von den Wenigsten erfüllt. Die Stimme bei einer Wahl zählt aber für jeden gleich, egal, ob sie "kompetent" ist oder nicht. Eine parlamentarische Demokratie versucht, dieses Problem etwas abzuschwächen. Die Idee ist, der inkompetente Wähler wird nicht mit jeder kleinen Detailfrage der Politik belästigt, sondern er bestimmt lediglich Delegierte, die selbst kompetent sind und sich um die Details im Auftrag der Wähler kümmern. Das Problem ist allerdings nur verlagert. Der Wähler beobachtet und kontrolliert seine Delegierten und kann ihnen so seine inkompetenten Entscheidungen aufzwingen (siehe auch die folgenden Abschnitte). In diesem Zusammenhang wäre das Gegenteil, Volksentscheide, zu erwähnen. Hier wird der Wähler mit politischen Details konfrontiert und muß sie unmittelbar entscheiden. Die Inkompetenz schlägt hier voll durch. Die Erfahrungen von Ländern mit Volksentscheiden zeigen, dass meist aufgrund von Emotionen und Ängsten vor Neuem, also konservativ, entschieden wird. Mir fällt keine realistische Lösung dieses Problems ein. Man könnte fordern, dass Stimmen mit einem "Bildungsfaktor" gewichtet werden. Ein anderer Ansatz wäre Stimmen mit der entrichteten Steuersumme des Wählers zu gewichten, damit Steuerzahler mit einem hohen Steueraufkommen mehr Entscheidungsgewalt über die Verwendung ihres Geldes bekommen. Leider haben aber solche Stimmengewichtungen immer das Problem, dass sie politische Macht auf eine Minderheit konzentrieren, und so den Machtmißbrauch wie in der Diktatur ermöglichen. Einen Politiker kann man abwählen; der Wähler kann aber nicht jemandem seine Bildung nehmen. Die Inkompetenz des Souverän bleibt also ein ernstes Problem der Demokratie. Wähler sind MenschenWenn ein Individuum seine Wahl trifft, wird es dabei durch seine Instinkte geleitet, die ja in erster Linie egoistischer Natur sind. Es wird also eine Politik wählen, die ihm persönlich Vorteile bringt, auch dann, wenn sie Nachteile für viele Andere bringt. Da in der Politik oft das Interesse einer Minderheit gegen das der Gesellschaft insgesamt abgewogen werden muß, kann die Gesellschaft insgesamt in den Einzelinteressen von Gruppen untergehen. Insbesondere bringt ein Nachteil für die Gesellschaft immer auch einen Nachteil für jeden Einzelnen (die Gesellschaft ist ja nichts anderes als die Summe seiner Mitglieder), aber in einer Einzelfrage kann natürlich das Interesse einer Minderheit für den Betroffenen überwiegen. Beispiel: Ein Wähler arbeitet in einem unrentablen Industriezweig und muß um seinen Arbeitsplatz fürchten. Er wäre dann dazu geneigt, eine Politik zu wählen, die Subventionen für diese Industrie anbietet, um so den Arbeitsplatz zu sichern. Zwar werden hierfür Steuer- oder Abgabenerhöhungen für alle notwendig, aber dieses Übel wird zumindest von dem fraglichen Wähler gern in Kauf genommen, da sein Arbeitsplatz für ihn einen viel höheren Wert hat. Auch könnte man argumentieren, dass die höhere Abgabenlast für diesen speziellen Fall für jeden Einzelnen so gering ist, dass dies nicht zu einer Verweigerung der Stimme führt. Nun werden sich aber leicht sehr viele und auch große Wirtschaftszweige finden lassen, denen man unter die Arme greifen könnte, und in jedem Fall gibt es eine Minderheit, die von solcher Hilfe profitieren kann. Die zusätzliche Steuerlast summiert sich aber für alle und wird dann nicht mehr vernachlässigbar klein sein. Am Ende stehen dann doch alle als Verlierer da. Hätten bei den Entscheidungen langfristige Interessen aller (also der gesamten Gesellschaft) im Vordergrund gestanden (und nicht die von Minderheiten), dann hätte man einen Strukturwandel unterstützt, in dem die Arbeitsplätze zwar verloren gehen, aber gleichzeitig in erfolgreicheren Wirtschaftzweigen neu entstehen. Auch die Interessen der Betroffenen wären langfristig (aber eventuell nicht kurzfristig) besser gewahrt worden. Dieses Phänomen hat letztendlich zu der heute zu beobachteten Entartung der sozialen Marktwirtschaft geführt. Die Verlockung, einen individuellen Vorteil durch die Politik mitzunehmen, ist zu groß. Gepaart mit der Inkompetenz der Wähler kommt es dann zu schweren Fehlentwicklungen. Politiker sind MenschenZur Zeit ist der Begriff "Politikverdrossenheit" recht populär. Allerdings gehen mir Stammtischreden im Stil "Politiker sind doof" ziemlich auf die Nerven. Sie zeigen nur, dass der Redner entweder keine Lust hat, oder nicht das geistige Potential, sich mit der Politik auseinanderzusetzen. Man kann vielen Politikern negative Sachen nachsagen; "doof" sind sie aber in der Regel keineswegs. Um das Handeln von Politikern zu verstehen, darf man ein Faktum nicht vergessen: Politiker sind Menschen, und sie unterliegen denselben Charaktereigenschaften und Instinkten wie wir alle (siehe Abschnitt "Der Mensch"). Ziel eines Politikers ist nicht etwa, das Beste für das regierte Volk zu erreichen, sondern, rein egoistische Ziele zu erreichen. Diese wiederum hängen alle von einem Ziel ab: Machterhalt, also Wiederwahl. Viele Menschen meinen, Politiker sollten mit anderen Maßstäben gemessen werden, als andere Menschen. Dieser Meinung bin ich nicht. Wir müßten sonst eine spezielle "Politiker-Rasse" züchten, was natürlich Quatsch ist. Wir müssen Politiker als Menschen wie wir akzeptieren und sollten uns nicht wundern oder beklagen, wenn sie sich wie Menschen (also wie wir alle) verhalten. Warum entschließt sich ein Mensch, Politiker zu werden? Bei den meisten ist es wohl Machtgier. Wie schon oft gesagt halte ich das für völlig legitim und nicht problematisch. Man sollte nicht versuchen, menschliche Instinkte zu bekämpfen, sondern sie lieber für eine Gesellschaft arbeiten lassen. Einige Politiker werden wohl auch aus Idealismus oder gar Fanatismus motiviert. Ich bin aber sicher, dass zumindest die Idealisten mit der Zeit zu Machtgierigen mutieren (ein nettes Beispiel sind die 68er, die sich heute zum Teil redlich um die Sicherung einer Pension bemühen). Wenn Machtgier das primäre Motiv ist, wie wird sich ein Politiker dann verhalten? Er wird sich bemühen, gewählt zu werden, um Ämter mit möglichst viel Macht ausüben zu können. Da der Konkurrenzkampf um solche Ämter groß ist, haben "dumme" Politiker hier wenig Chancen; die schlaueren werden sie verdrängen. Wie erreicht man seine eigene Wahl? Ganz einfach: man macht das, was der Wähler erwartet. Da der Wähler egoistisch und inkompetent ist, muß dies überhaupt nicht etwas Richtiges oder Gutes sein. Politiker selbst sind nicht dumm, und meistens sind sie auch relativ gut gebildet. Sie werden also in der Regel viel kompetenter sein, als ihre Wähler, und können so "schlechte" (weil inkompetente) Forderungen ihrer Wähler erkennen. Ein Politiker wird sich also oft in der Situation wiederfinden, in der er entweder einer Wählerforderung nachgehen muß, was aber eventuell das Falsche für die Gesellschaft insgesamt wäre, oder er kann das für die Gesellschaft richtige tun, was zur Verärgerung seiner Wähler und so zu seiner Abwahl führt. Da der Politiker ein Mensch (also auch ein machtgieriger Egoist) ist, wird er sich in der Regel für seine Wiederwahl entscheiden. Ich möchte noch einmal betonen, dass ich für diesen Mechanismus nicht Politiker persönlich anklagen möchte. Schuld sind die Wähler; die Politiker machen ja nur das, was der Wähler ihnen aufgetragen hat, und genau das wird ja von einer Demokratie gefordert. Ursache ist letzentlich die Inkompetenz des Souverän. Wie wir sehen, haben sowohl die Diktatur als auch die Demokratie ihre Probleme, die in beiden Fällen sehr ernst zu nehmen sind. Leider fällt mir keine weitere praktikable Staatsform ein (Anarchie betrachte ich als indiskutabel), also muß man sich für eine der beiden entscheiden. Beide werden zur Zeit auf dieser Welt angewendet, also können wir uns einfach ansehen, welches politische System bessere Ergebnisse erreicht. "Besser" möchte ich das System nennen, das von der Mehrheit bevorzugt wird. Da wesentlich mehr Menschen versuchen, aus einer Diktatur in eine Demokratie umzusiedeln, ist dies wohl die Demokratie. Über die grundsätzlichen Probleme der Demokratie muß man sich aber im Klaren sein. Man kann natürlich hoffen, dass das wichtigste Problem (die Inkompetenz des Souverän) mit der Zeit (und besserem Bildungsstand) abnimmt, aber ich bin da eher skeptisch. Der Bildungsstand wird besser, aber die Probleme der Demokratie führen auch zu einer immer komplizierter werdenden Politik. Was wird sich da schneller entwickeln? Ein Politischer EntwurfIn den vorangegangenen Abschnitten habe ich verschiedene Wirtschaftssysteme und politische Systeme mit Ihren Vor- und Nachteilen diskutiert. Welche Schlußfolgerungen kann man daraus ziehen? Was wäre denn nach dem verfügbaren Erkenntnisstand eine optimale Politik? Salopp gesagt, wenn ich König von Deutschland wäre, und ich könnte den Staat komplett neu organisieren, dann würde ich folgendes vorschlagen: In der Verfassung müßten ein paar Kleinigkeiten korrigiert werden. Eine strikte Trennung von Staat und Kirche ist natürlich wichtig (Priester, poliert schon einmal eure Klingelbeutel). Ein weiterer wichtiger Punkt wäre, grundsätzlich eine Staatsverschuldung auszuschliessen. Im politischen Tagesgeschäft ist es sehr schwer durchzusetzen, dass nur das verteilt werden kann, was vorher verdient worden ist. Ein Verschuldungsverbot ist zwar wirtschaftlich nicht unbedingt vorteilhaft, aber in Abwägung mit den Problemen zu hoher Staatsverschuldung (die sonst unausweichlich ist, siehe alle Demokratien, die nicht gerade auf einem Ölfeld sitzen) ist dies das kleinere Übel. Ich würde mir auch wünschen, dass das staatliche Steuer- und Abgabenaufkommen begrenzt wird, z.B. auf 35% des Bruttosozialprodukts. Alle staatlichen Sozialleistungen und Zwangsversicherungen (z.B. Rente, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, etc.) werden abgeschafft und durch ein steuerfinanziertes Existenzminimum ersetzt, das jedem Bürger in Form einer negativen Steuer zusteht. Dieses Existenzminimum sollte knapp bemessen sein. Es sollte niemand als angenehm empfinden, nur von diesem Geld zu Leben. Das Existenzminimum muß genügend Motivation zum Arbeiten lassen. Für minderjährige Kinder steht den Erziehungsberechtigten je ein Existenzminimum zu (als Ersatz für das Kindergeld und alle anderen derzeitigen Familienförderungen). Die z.Z. existierenden Sozialversicherungen werden durch private Versicherungen angeboten; der Staat hält sich hier komplett ’raus. Bürger können solche Versicherungsangebote nach persönlichen Belieben wahrnehmen oder auch nicht. Den Versicherern bleibt es überlassen, unterschiedliche Abstufungen der sozialen Sicherheit anzubieten. Als einziges Überbleibsel der Sozialhilfe gibt es einen durch Steuermittel finanzierten Notfond. Aus ihm werden z.B. Behandlung von Kranken bezahlt, die keine oder eine unzureichende Krankenversicherung haben oder anderweitig in finanzielle Not geraten sind, und deren Überleben nur durch fremde finanzielle Hilfe gewährleistet werden kann. Das gesamte Hab und Gut eines Bedürftigen muß aufgebraucht werden, bevor der Notfond in Anspruch genommen werden kann. Alle (ich weis nicht wie viele) z.Z. bestehenden Steuern werden durch drei Steuern ersetzt: eine Mehrwertsteuer von 20-25%, eine Einkommensteuer von ca. 30-40% (konstant! auf jede verdiente Mark), und einigen, wenigen Produktsteuern. Produktsteuern werden verwendet, um einzelnen Produkte künstlich zu verteuern (Beispiel: Tabak, Mineralöle, Strom, eventuell PKWs, etc.). Produktsteuern sind Lenkungssteuern, die die Verwendung von volkswirtschaftlich schädlichen Produkten mindern sollen. Produktsteuern können auch erhoben werden, um produktspezifische Staatsausgaben zu decken (z.B. eine Steuer auf PKW/LKW Treibstoffe um den Straßenbau zu finanzieren, eine Steuer auf PKWs um Parkplätze zu bauen). Wichtig ist natürlich, dass die Anzahl der Produkte, auf die eine solche Steuer erhoben wird, nicht ausufert, und dass die jeweiligen Produkte zweifelsfrei definiert werden. Des weiteren sollten Steuern nur dann erhoben werden, wenn das Geld zum Erwerb einer Leistung aufgewendet wird, die noch nicht besteuert wurde; nicht jedoch auf Schenkungen, Erbschaften oder sonstigen Wertetransfer, dem keine Leistung gegenübersteht. In diesen Fällen wurde das Geld bereits versteuert und darf nicht ein zweites Mal versteuert werden. Ziel soll sein, die Wirtschaftsleistung einer Gesellschaft zu besteuern, und nicht den Austausch von Vermögen. Beispiel: Der Einkommensteuer unterliegen Gehalt, Gewinn, Mieten, Zinseinkommen und Zinsverluste (abzüglich Inflation), aber nicht Spekulationsgewinne und -verluste. Mehrwertsteuer wird erhoben, wenn eine Körperschaft mit Vorsteuerabzugsrecht verkauft, sonst nicht. Auf ein und das selbe Wirtschaftsgut wird dann keine Mehrwertsteuer mehr erhoben, sobald es einmal jemandem ohne Vorsteuerabzugsrecht gehört hat (Beispiel: gebrauchte PKW). Die Besteuerungsgrundlage von Privatpersonen und Unternehmen sollte im wesentlichen identisch sein, außer, dass eine Privatperson keine betrieblichen (also steuermindernden) Aufwendungen hat (also auch keinen Vorsteuerabzug). Das Attraktive an diesem Model ist die Einfachheit (obwohl natürlich noch viele Details zu klären wären). z.B. fehlt eine Steuerprogression, wodurch z.B. das Ehegattensplitting nicht mehr benötigt wird. Jedes Einkommen wird gleich besteuert, wodurch es keinen Grund mehr gibt, Einkommen umzudeklarieren (z.Z. eine mit immensem Aufwand betriebene Steuervermeidungspraxis). Das Fehlen einer Sozialhilfe erspart es Bedürftigen, demütigende Anträge zu stellen. Gerecht wäre dieses System (zumindest nach meiner Meinung), da jede Mark gleich besteuert wird, egal, wie sie verdient worden ist, gleichzeitig aber hohe Einkommen insgesamt höher belastet werden. Der Charakter einer sozialen Gesellschaft wird erhalten, da jedem Bürger das Existenzminimum automatisch zusteht (und er es auch bekommt) und im Bedarfsfall unbegrenzt staatliche Leistungen des Notfonds in Anspruch nehmen kann. Ein sehr einfaches Steuersystem hat auch den Vorteil, dass es von einer größeren Menge von Menschen verstanden werden kann, wodurch die Akzeptanz ebenfalls steigt. Ein weiterer wichtiger Punkt wäre natürlich der Verzicht auf Subventionen. Zwar reden alle Politiker gern vom Subventionsabbau, er geschieht aber nicht, was zu immensen wirtschaftlichen Schäden führt. Wie man Subventionen rechtlich behandeln sollte ist ein knifflige Sache. Das einfachste wäre ein striktes Verbot in der Verfassung. Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass es auch sinnvolle Subventionen geben kann (z.B. um eine absehbar kurzfristige Krise zu überbrücken). Das Beamtentum würde ich natürlich auch abschaffen. Tatsache ist, dass sich die Mehrzahl der Beamten in erster Linie um die Sicherung ihrer Pension kümmert. Da Menschen (also auch Beamte) egoistisch und materialistisch sind, ist dies ja ganz natürlich. Da sie aber unkündbar sind, kann die Gesellschaft diese Charaktereigenschaften nicht zur Motivation der Beamten nutzen. Wozu sollte sich ein Beamter anstrengen, seine Arbeit gut zu machen? Es gibt keinen Grund (da keine Vorteile). Da alle Menschen faul sind, wird es der Beamte vorziehen, nichts zu tun. Ein besseres System bestünde aus Angestellten des Staates, die leistungsorientiert bezahlt und befördert werden und keine Privilegien genießen. Leitende Positionen müßten wie in der freien Wirtschaft aufgrund mangelhafter Leistungen schnell und einfach kündbar sein. Das Optimierungspotential in diesem Bereich ist sicherlich enorm. Natürlich ist mir klar, dass das oben beschriebene eine Utopie ist. Sie tatsächlich zu implementieren, würde an vielen Hürden scheitern. So z.B. an unserem Rentensystem (das es ja bei mir nicht mehr geben würde), das praktisch nicht abschaffbar ist. Die Rente begann damit, dass man Leuten, die nie irgend eine Leistung hierfür erbracht haben, Rente zahlte. Für die Betroffenen war das natürlich eine ganz tolle Sache und sie werden sich mit vielen Wählerstimmen bedankt haben. Aber was ist wenn man die Rente einstellen würde? Dann hätte man jede Menge Leute, die ihr Leben lang hohe Rentenbeiträge bezahlt haben, aber dann nichts bekommen. Unser Rentensystem ist also ein Fluch, der uns in alle Ewigkeit begleiten wird. Mein Vorschlag würde auch eine erhebliche Veränderung gegenüber dem ist-Zustand darstellen und so wahrscheinlich am konservativen Charakter meiner Mitmenschen scheitern. EuropaBis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hat sich Europa vor allen Dingen durch eine große Kriegsbegeisterung hervorgetan. Zwei Entwicklungen haben dies beendet. Die Entwicklung von Kriegswaffen mit einer vorher nicht gekannten Zerstörungskraft machen den Krieg als aussenpolitisches Instrument unbrauchbar. Spätestens seit dem zweiten Weltkrieg muß jedem Europäer klar sein, dass sich Nettovorteile durch einen Krieg nicht mehr erreichen lassen. Zum anderen hat die wachsende Mobilität und Kommunikationstechnik dazu geführt, dass wir unsere Nachbarn besser kennen und so unsere konservative Angst vor dem Fremden immer weniger eine Rolle spielt (da die Nachbarn nicht mehr so fremd sind). Durch den regen Austausch durch Reisen und Kommunikation nehmen auch die kulturellen Unterschiede ab, ohne aber zu verschwinden. Kulturelle Errungenschaften (z.B. Musik, Mode, Sport, etc.) werden viel schneller und viel breiter zugänglich gemacht und machen vor nationalen Grenzen nicht mehr halt. Die Politik hat diese Entwicklung aufgegriffen und setzt sie im Rahmen der europäischen Union um. Ziel ist es, nationale Grenzen innerhalb Europas abzubauen und gemeinsame gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu Lösen. Ich halte diese Entwicklung für sehr positiv, weil sie Vorteile für alle beteiligten Staaten bringt: Kulturelle VielfaltEuropäer (und zwar oft mehrere Nationalstaaten gleichzeitig) stellen seit über zweitausend Jahren die dominierenden Hochkulturen dieser Welt. Ich möchte andere oder ältere Hochkulturen (z.B. in China, Ägypten oder Lateinamerika) in keiner Weise schmälern der abwerten, sondern nur sagen, dass jetzt die Europäer die erfolgreichsten Kulturen beherbergen (inzwischen selbstständige Kolonien Europas wie Amerika, Süd Afrika oder Australien betrachten wir einmal als Außenstellen von Europa. Deren Kultur ist letztendlich die europäische und wurde von Europäern dort etabliert). Die Kulturen der europäischen Länder haben sich über einen langen Zeitraum entwickelt und haben so eine gewisse Reife erreicht. Da es immer einen gewissen Austausch zwischen ihnen gab, sind sie miteinander verwandt. Das hat den Vorteil, dass sie uns nicht als zu fremdartig erscheinen und gut akzeptiert werden, also nicht zu einer konservativen Ablehnung führen. Des weiteren koexistieren relativ viele so verwandter Kulturen auf relativ engem Raum zusammen, so dass wir sie mit nur geringem Reiseaufwand erleben können. Durch die europäische Einigung wird diese kulturelle Vielfalt allen Mitgliedern immer leichter zugänglich (z.B. Wegfall von Reisebürokratie, einheitliche Währung, einheitliche Rechtsgrundsätze, etc.). Größerer MarktAlle Mitglieder der Union haben sich auf die soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung geeinigt. Eine Marktwirtschaft funktioniert um so besser, je größer sie ist. Nationale Grenzen und unterschiedliche Rahmenbedingungen behindern eine Marktwirtschaft. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage funktioniert um so besser, je mehr Anbieter und Nachfrager vorhanden sind. Verringerte KriegsgefahrZwischen den Ländern, die seit Ende des zweiten Weltkrieges aktiv an der europäischen Einigung mitgewirkt haben, besteht heute keine erkennbare Kriegsgefahr mehr. Man sollte nicht vergessen, dass ein derartiger Zustand einmalig in unserer zweitausendjährigen Geschichte ist. Die Einigung hat hierzu beigetragen, da sie gegenseitige Abhängigkeiten schafft. Würde z.B. Deutschland Krieg gegen Frankreich führen, müßten wir auch auf den Handel mit Frankreich verzichten. Deutsche Arbeiter in der Automobilindustrie würden ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn keine Franzose deutsche Autos kauft, und Deutsche müßten auf französischen Wein verzichten (schauderhafter Gedanke!). Die europäische Einigung führt auch zu mehr gegenseitiger Sympathie, die ebenfalls ein Kriegsrisiko reduziert. Alle genannten Aspekte der europäischen Einigung sind von Vorteil für alle beteiligten Länder. Sie ermöglichen einen höheren Wohlstand aller und verbessern die Lebensqualität. Natürlich gibt es auch Zweifel. Ein grundsätzlicher ist die konservative Angst vor Veränderung. Man hat Jahrtausende lang mit umkämpften Grenzen gelebt und die Grenzen auch als Schutz der eigenen Gesellschaft verstanden. Konkretere Sorgen sind eine zunehmende Bürokratie durch eine weitere Verwaltungsebene, aber ein nüchterner Vergleich der europäischen und nationaler Verwaltungen zeigt, dass diese nicht begründet sind. Einigen tausend Europabeamten stehen viele Millionen nationaler Beamter gegenüber. Auch die Angst, gut funktionierende nationale Mechanismen und Strukturen werden durch eventuell schlechtere europäische ersetzt, ist meist nicht gerechtfertigt. Europäische Regelungen werden in der Regel aus funktionierenden nationalen weiterentwickelt. Man hat die Möglichkeit, mehrere nationale Problemlösungen zu analysieren, bevor man eine europäische beschließt. Bestes Beispiel ist die Währungsunion. Ich kenne keinen Nationalstaat, der eine Währung so gut zur Stabilität vorbereitet und juristisch geschützt hat. Man hat sich angesehen, wie die Nationalstaaten mit ihren Währungen umgehen, wie erfolgreich sie dabei sind, und hat diese Erkenntnisse dann in ein optimiertes Model aufgenommen. Es gibt natürlich klare Fehlentwicklungen auf europäischer Ebene. Bestes Beispiel sind die Agrarsubventionen, die man getrost als eine einzige Katastrophe bezeichnen kann. Aber das ist nicht etwa ein europäisches Problem. Im Gegenteil, Nationalstaaten subventionieren oft noch viel schlimmer. Die Ursachen wurden im Abschnitt "Demokratie, Wähler sind Menschen" diskutiert. So haben z.B. die Norweger in einem Volksentscheid den Beitritt zur Union abgelehnt, da ein Beitritt eine Reduzierung der Subventionen der norwegischen Bauern bedeutet hätte. Krieg und FriedenDas wesentliche Argument zu diesem Thema ist schon gefallen: angesichts heute verfügbarer Waffen sind Kriege zu einem unkalkulierbaren Risiko geworden. Die Menschen wollen aus diesem Grund keinen Krieg. Man beachte, das die Menschen nur aus diesem Grund keine Krieg wollen. Vor einhundert Jahren sah das in Europa noch ganz anders aus. Nicht nur machtbesessene Diktatoren wollten Kriege um ihre Macht zu vergrößern, auch der kleine Mann war scharf auf eine militärische Karriere, und Künstler besangen das Heldentum. In den siebziger und Anfang der achtziger Jahre herrschte in Europa bei vielen Menschen eine erhebliche Angst vor einem Atomkrieg aufgrund des kalten Krieges. Die Angst begründete sich aus dem simplen wie falschen Schluß, Waffen werden gebaut um auch angewendet zu werden. Richtig ist vielmehr, dass Waffen eingesetzt werden, wenn man sich davon einen Vorteil erhofft. Das war allerdings von Atomwaffen nicht zu erwarten, zumindest nicht, wenn der potentielle Gegner ebenfalls über solche Waffen verfügt. Insofern war ich immer fest davon überzeugt, dass ein Rüstungspatt auf hohem Niveau zu einer großen Friedenssicherheit führt. Einseitige Abrüstung, wie damals von vielen gefordert, würde allerdings der nicht abrüstenden Seite die Möglichkeit eröffnen, doch Nutzen aus einem Angriff zu ziehen. Trotzdem ist das Thema Krieg nicht völlig vom Tisch. Nicht alle Länder verfügen über Atomwaffen, und nicht überall herrscht ein Kräftegleichgewicht. Auch können machtmißbrauchende oder inkompetente Diktatoren irrational handeln. Diese drei Faktoren treffen nicht auf Westeuropa zu; es besteht hier also praktisch keine Kriegsgefahr. Konflikte im ehemaligen Ostblock (z.B. Jugoslawien, Sowjetunion) können aufgrund von fehlenden Kräftegleichgewichten entstehen, aber auch Rassismus im weitesten Sinne sind eine Ursache (z.B. Überfremdung durch staatliche verordnete Umsiedelung oder Besetzung im Kommunismus). Das andere Problempotential, machtmißbrauchende oder inkompetente Diktatoren, sehen wird vor allen Dingen in Afrika und im Nahen Osten. Aber hier spielt ein Rüstungsgleichgewicht oder ein überhaupt geringer Rüstungsstand eine Rolle. Besonders problematisch sind Konflikte, in denen Religion eine Rolle spielt. Eine religiöse Rechtfertigung verhindert in der Regel die Bereitschaft, Kompromisse in einem Konflikt einzugehen, da Gottes Wille als absolut angesehen wird, der von allen Menschen (also auch denen, die einer Religion nicht angehören) uneingeschränkt akzeptiert werden muß. Es findet also keine Interessenabwägung statt. Beispiel: Die Juden betrachten sich als das von Gott auserwählte Volk, für das Gott Palestina als Lebensraum vorgesehen hat. Da Religionen für sich eine absolute Wahrheit beanspruchen, verlangt ein Jude, dass sich auch ein Moslem, der schon seit vielen Generationen in Palestina lebt, diesem Gottesspruch zu unterwerfen hat, auch dann wenn er selbst die jüdische Religion nicht als wahr betrachtet. Solange die religiöse Rechtfertigung besteht, ist eine Lösung kaum vorstellbar. Die Dritte WeltUnsere Solidarität geniessen Menschen in dem Maße, in dem sie uns nahe stehen. Sie ist am stärksten auf unsere Familien und Freunde konzentriert, aber sie wirkt jeweils abgeschwächt auch auf Mitglieder des gleichen Volkes, Kulturkreises, und auch alle anderen Menschen. So empfinden wir auch eine gewisse Verantwortung für weit entfernt lebende Menschen, die (zumindest verglichen mit uns) in großer Armut leben. Aber natürlich sind wir nicht bereit (und auch nicht in der Lage), diesen Menschen die gleiche Hilfe zu gewähren, wie zum Beispiel einem Sozialhilfeempfänger hier bei uns. Stattdessen haben wir die staatliche und zum Teil auch private Entwicklungshilfe erfunden. Ihr Ziel ist es, unser Bedürfnis nach Ausüben von Solidarität zu befriedigen, aber leider nicht, wirklich zu helfen. Wir zahlen ein bißchen (aber nicht viel) Geld, und das war’s! Unsere eigenen Interessen haben immer Vorrang. Viele Entwicklungshilfeprojekte führen langfristig zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen der Hilfeempfänger. So führen geschenkte Lebensmittel z.B. dazu, dass die lokale Lebensmittelproduktion ihren Markt verliert und abgebaut wird. Medizinische Versorgung beschleunigt die Überbevölkerung. Auch der Export unserer Kultur ist problematisch. Unsere Kultur ist zwar in Europa erfolgreich, sie hat sich aber hier über Jahrtausende entwickelt. Es ist nicht selbstverständlich, dass sie woanders von heut’ auf morgen installiert auch erfolgreich sein wird. Im Zweifel wäre es meiner Meinung nach sicherer, bestehende, funktionierende Strukturen so zu belassen, wie sie sind. Veränderungen müssen von innen kommen. Wenn man der dritten Welt wirklich wirtschaftlich helfen möchte, dann darf dies nur eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Also, statt Brot importieren, den Leuten zeigen, wie man Brot backt. Noch mehr bringen würde natürlich, der dritten Welt Wirtschaftszweige zu überlassen, die sie so gut oder besser als wir bedienen könnten. Bestes Beispiel wäre die Agrarwirtschaft. Wenn Europa keine Agrarsubventionen betreiben würde und einen freien Handel mit Agrarerzeugnissen zu Marktpreisen erlauben würde, könnten viele dritte Welt Länder wieder eine Agrarindustrie aufbauen, sowohl für den Eigenbedarf als auch den Export. Natürlich müßte man auch die Entwicklungshilfe (z.B. das Schenken von Lebensmitteln) einstellen, um dieses Ziel zu erreichen. Das InternetDieses Thema erscheint auf den ersten Blick vielleicht deplaziert, aber das wird sich wohl schnell ändern. Zu meinem "Weltbild" gehört es schon. Keiner wird bestreiten, dass technische Entwicklungen wie das Telefon oder das Fernsehen einen enormen Einfluß auf die Entwicklung unserer Gesellschaft hatten. Die Entwicklung des Internets wird mindestens genauso, wahrscheinlich aber noch wichtiger sein. Ich gestehe übrigens, dass ich das erst relativ spät erkannt habe (ca. 1994, etwa genauso spät wie Bill Gates, aber der hat ja auch noch die Kurve gekriegt). Ein wesentlicher Aspekt des Internets ist der ernorme Fortschritt der Globalisierung. Wenn ich jemanden nebenan oder in Tahiti anrufen möchte, macht das einen großen Unterschied; nicht jedoch per Email. Die Kosten und der Zeitbedarf sind nach Tahiti genauso groß wie in die Nachbarschaft. Ohne Internet ist z.B. die Vermarktung von Produkten in weit entfernte Regionen viel schwieriger. Selbst eine kleine Firma kann mit dem Internet ein Global Player sein. Die Globalisierung findet natürlich auch ohne das Internet statt, aber das Internet ist ein großer Beschleuniger dieser Entwicklung. Letztendlich wird das Internet die Auflösung der Nationalstaaten nachsichziehen, da das Internet keine Staatsgrenzen enthält. Auch im privaten Bereich wird das Internet eine Revolution darstellen. Der Zugang zu Informationen wird um ein Vielfaches einfacher und billiger, alle Märkte werden erheblich transparenter. Wenn ich heute den Preis eines Oberhemdes vergleichen will, muß ich einen ganzen Haufen Läden abklappern, was viel Zeit (und auch Geld, Verkehr, etc.) in Anspruch nimmt. In Zukunft werde ich meine Hemden (zumindest zum Teil) im Internet kaufen und ein Preisvergleich kostet mich ein paar Mausklicks. Das Internet wird in nicht all zu langer Zeit das heutige Telefon und Fernsehen schlucken (Telex und Fax sowieso). In wie weit sich z.B. Einzelhandel und Verkehr und auch andere Wirtschaftszweige verändern werden ist noch schwer abschätzbar (zumindest von mir). Auch das Potential, auf gesellschaftliche Entwicklungen Einfluß zu nehmen, ist gewaltig. Was im Einzelnen daraus wird, werden wir in ca. 100 Jahren wissen. Aber die Tatsache, dass erhebliche Veränderung auf uns zukommen, ist ziemlich sicher. Der Sinn des LebensZum Schluß wird’s nun noch etwas philosophisch. Ich nehme an, jeden hat diese Frage schon einmal beschäftigt. Ich gestehe, dass ich mit Leuten, die dies von berufswegen tun, nichts anfangen kann. Ich habe einmal einen Vortrag über einen berühmten Philosophen (der Name ist mir entfallen) gehört, der sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt hat (natürlich ohne Ergebnis). Der arme Mann hat sich derart in selbstpostolierten Definitionen des Ich, wahren Ich, subjektiven Ich, echten Ich, und so weiter verstrickt, dass er einem Leid tun konnte. Soweit mir bekannt ist, ist kein Philosoph bisher zu einem brauchbaren Ergebnis gekommen. Es scheint, die Kaste der Philosophen ist sich darüber einig, dass man gar keine Antwort finden kann, oder sie vermeiden es, eine Antwort überhaupt zu finden, da sie ja dann arbeitslos wären. Aus meiner Sicht ist die Sache allerdings ziemlich einfach: Es gibt keine höheren Sinn, bestenfalls Selbstzweck (wenn man das als Sinn bezeichnen möchte). Es gibt keinen Schöpfer, also können wir nicht in der Richtung nach einem Sinn suchen. Die Menschen sind ein Produkt der Evolution, die wiederum durch zufällige Mutation voran kommt. Wir sind also Zufallsprodukte. Wie sollen Zufallsprodukte einen höheren Sinn haben? Den einzigen Sinn, den ich erkennen kann, ist, die Evolution fortzuführen. Wir sollten den Zielen der Evolution folgen, so wie es weniger intelligente, instinkt-getriebene Lebewesen auch tun: überleben und für das Überleben unserer Nachfahren sorgen. Also könnte man das Erziehen von Kindern als Sinn des Lebens bezeichnen. Das Leben ist also Selbstzweck: Wir leben, um weiteres Leben zu ermöglichen. Unsere Kinder leben, um wiederum weiteres Leben zu ermöglichen, und so weiter. ZukunftIch bin kein Hellseher und auch kein Zukunftsforscher (letztere irren sich übrigens auch nicht viel seltener als die erst genannten). Trotzdem macht es Spaß, sich Gedankenspielen hinzugeben, wie die Zukunft wohl aussehen könnte. Der Leser möge mir verzeihen, wenn es in diesem Abschnitt eventuell weniger sachlich zugeht wie in den vorangegangen. Vielleicht werden ich mich selbst in einigen Jahrzehnten köstlich über das Geschriebene amüsieren. GlobalisierungDieses Phänomen wird sicherlich ein entscheidendes sein. Globalisierung bedeutet, dass alle menschlichen Aktivitäten in zunehmendem Maße nationale Grenzen überschreiten, sowohl im privaten als auch im kommerziellen Bereich. Treibende Faktoren sind vor allen Dingen die schnell voranschreitende Kommunikationstechnik wie z.B. das Internet und immer besser und billiger werdende Verkehrsverbindungen. Die Politik reagiert auf diese Entwicklung durch Angleichung in allen Bereichen (Justiz, Steuerrecht, Normierung, aber langfristig auch Sozialstandards, wirtschaftliche Rahmenbedingungen). Diese Angleichungen werden unausweichlich, da es kaum wirkungsvolle Lenkungsinstrumente oberhalb der Ebene von Nationalstaaten gibt. Deshalb gelten zwischen den Staaten automatisch marktwirtschaftliche Bedingungen (und nicht etwa sozialmarktwirtschaftliche). Es kommt also zu einem gnadenlosen Konkurrenzkampf, in dem die Länder, die schlechtere Rahmenbedingungen habe, sofort und hart verdrängt werden. Solche Länder sind also dazu gezwungen, ihre Rahmenbedingungen anzugleichen, oder sie gehen Pleite. Länder, in denen die Führung dies nicht rechtzeitig erkennt oder Marktwirtschaft als natürliches, unausweichliches System nicht versteht, können in diesem Prozess vorübergehend Probleme bekommen. Global betrachtet (also für alle Länder, die sich einer Globalisierung nicht verschliessen) wird diese Entwicklung positiv sein. Durch eine Vergrößerung der Märkte kommt es zu mehr Wettbewerb und somit zu mehr Wirtschaftswachstum. Auch sehe ich gute Chancen, soziale Auswüchse unseres Sozialstaats wieder in den Griff zu bekommen. KommunikationstechnikDie technische Entwicklung wird hier noch sehr viel bringen. Noch wichtiger wird dann die Durchdringung der Wirtschaft und der privaten Haushalte mit dieser Technik sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Entwicklung des Internets in der ’80er und ’90er Jahren genauso einschneidende Wirkungen auf alle Gesellschaften dieser Welt haben wird, wie das Telefon oder Fernsehen in der Vergangenheit. Meine Prognose ist ein einziges Kommunikationsnetz. Zur Zeit gibt es mehrere Netze, jedes nur für bestimmte Anwendungen konzipiert (Telefon, Telex, Kabel-TV, Internet Backbone, etc.). In Zukunft wird es nur noch ein Netz geben (das allerdings dadurch entsteht, dass bestehende Netze zusammengeschaltet werden). Dieses einheitliche Netz wird im wesentlichen wie das heutige Internet betrieben werden (Verbindungsorientiert, Paketvermittlung). Jeder Haushalt bzw. jede Firma wird nur einen Netzanschluß haben, über den man telefonieren, faxen, surfen, emailen, und fernsehen kann. Die hierdurch enorm verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten sind ein zentraler Faktor bei der Globalisierung, von dem heute schon viele Firmen profitieren. Sobald standardmäßig über das Internet telefoniert wird, werden auch private Nutzer einen echten Nutzen erkennen und (durch die erhöhten privaten Internet-Nutzerzahlen) den E-Commerce (Kaufen über’s Internet) so richtig in Fahrt bringen. Einer seit vielen Jahren nachgegangenen Entwicklung gebe ich allerdings keine Chance: Das Bildtelefon (zumindest will ich so ein Ding nicht haben). ComputertechnikDie Vergangenheit hat gezeigt, dass es sehr schwer ist, die Entwicklung vorherzusehen, aber ein paar Sachen kann man schon beobachten. Es ist verblüffend, wie weit man die Siliziumtechnik bringen kann. Im Jahr 2000 werden billig-PCs mit 1GHz Prozessoren auf den Markt kommen, allerdings sagen mir meine begrenzten Kenntnisse der Physik, dass die Grenzen des Machbaren dann bald erreicht sein werden. Aber völlig neue Konzepte, aus was man Prozessoren bauen kann, werden bereits entwickelt. Rechner werden also auch danach weiter an Rechenleistung zunehmen. Zu beobachten ist allerdings ein Trend zum "it’s good enough". Immer mehr Benutzer fragen sich: wozu brauche ich noch mehr Rechenleistung? Ich bin sicher, Marketingstrategen der Hard- und Softwarehersteller werden Antworten finden (oder besser: erarbeiten). Interessant ist auch, dass die Software der Hardware immer stärker hinterherhinkt. Wenn sich Anwender neue Computer zulegen, möchten sie weiter alte Software benutzen, wodurch Softwareinnovation stark gebremst wird. Eigentlich ist es absurd, dass die Mehrzahl der 1999 verkauften PCs mit Pentium II oder III Prozessoren mit einem (wenn auch unter Windows 98 getarnten) DOS für Intel 8086 CPUs betrieben wird. Klar ist auch, dass Computer eine immer größere Rolle im Consumer-Bereich spielen werden (Settop-Boxen, intelligente Haushaltsgeräte, etc.). Inwieweit Zeitungen und Bücher von Computern ersetzt werden, kann ich nicht abschätzen. VerkehrDie Globalisierung erhöht den Bedarf an Verkehr, selbst angesichts der verbesserten Kommunikationsmöglichkeiten. Durch den größeren Wettbewerb wird Verkehr auch eher billiger werden (wie bereits in den vergangen Jahren zu beobachten war). Wer glaubt, das Auto sei auf dem Rückzug, der irrt. Alle Verkehrformen (Auto, Flugzeug, Zugverkehr (hier allerdings nur innovative Formen wie TGV, ICE, Transrapid, etc.)) werden deutlich zunehmen. Neue Entwicklungen in diesem Bereich sind langsamer als man sich wünschen würde. Der Transrapid wurde in der 70er Jahren entwicklet und fährt immer noch nicht. Auch wartet der Überschallflug seit 30 Jahren auf seinen Durchbruch auf breiter Front (12 Concords bilden keine "breite Front"). TGV und ICE kann man bestenfalls als Mini-Innovation bezeichnen. Die Züge fahren nach dem gleichen Prinzip wie alle anderen Eisenbahnen auch, nur ein bißchen schneller. Das Automobil wird ebenfalls in nur kleinen Schritten weiterentwickelt. Die Entwicklung ist gerade schnell genug, um die Akzeptanz nicht zu gefährden. Autos verbrauchen viel Umweltressourcen (hier gibt es aber kleine Fortschritte), aber der Komfort wird niemals durch ein anderes Verkehrsmittel erreicht werden. Deshalb wird es wohl auch nie gänzlich ersetzbar sein. SozialismusDer Sozialismus als Staatsform hat sich in den ’80er und ’90er Jahren zu 90% erledigt, und die restlichen 10% werden wohl bald folgen. Die meiner Meinung nach überzogene soziale Komponente der sozialen Marktwirtschaften Europas werden durch die Globalisierung moderat zurückgedrängt. Der Sozialismus als Ideal wird aber wohl immer in der Köpfen vieler Menschen existieren. Ich befürchte, der Hauptgrund ist eine wenig schmeichelhafte Charaktereigenschaft des Menschen: Neid. Weniger erfolgreiche Menschen erhoffen sich vom Sozialismus, dass den Erfolgreichen der Erfolg genommen wird. Da Neid eine angeborene, instinktartige menschliche Eigenschaft ist, kann man da nichts machen, selbst wenn man das schwerwiegende Anschauungsmaterial, das uns die letzten 100 Jahre Menschheitsgeschichte geliefert hat, als Gegenargument anführen kann. AnhangDie Zehn Gebote
1. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Entwicklung dieses TextesHerbst 1998 Schreiben der ersten Fassung. Frühjahr 1999 Verteilung an ein paar Leute, erste Reaktionen. Die erste Reaktion der Leser ist Zustimmung. Bei näherer Betrachtung ergeben sich allerdings doch tiefgreifende Unterschiede. Kein Leser teilt meine Meinung, dass man die Welt allein mit sachlichen, messbaren Tatsachen erfassen kann. Diskussionen zu diesem Thema gestallten sich als schwierig, da oft auch eine sachliche Argumentation abgelehnt wird, wenn es darum geht die Existenz von mystischen Phänomenen zu ergründen. Mir wird teilweise ein zu missionarischer Stil vorgeworfen. Man könne die Welt zwar so sehen wie ich sie sehe; allerdings sollte ich andere Sichtweisen nicht angreifen oder disqualifizieren. Ich werde diese Kritik in der zweiten Fassung berücksichtigen und ein paar Passagen entschärfen. Auf der anderen Seite geht es mir um die Wahrheit: wie ist die Welt wirklich? Wenn ich eine Aussage als Wahr betrachte, kann eine widersprechende Aussage nicht wahr sein und kann deshalb nicht gleichberechtigt daneben stehen. Es ist natürlich gut möglich, dass ich mich hier und da irre und dass dieser Text falsche Aussagen enthält. Über jeden aufgedeckten Fehler freue ich mich und werde den Text entsprechend ändern. Sommer 1999 Zweite Fassung. Die Abschnitte zur heisenbergschen Unschärferelation und dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik wurden gestrichen. Sie gehen am Thema vorbei und verlängerten den Text unnötig. Allzu harte Kritik an Andersdenkenden wurde entschärft oder gelöscht. Sommer 2002 Die Behauptung, Sozialisten finden Amerika gut, gelöscht. Volles (statt halbes) Bürgergeld für Kinder.
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